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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

26. Juni 2018

Zeit ist das beste Schmerzmittel gegen Heimweh

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Heimweh vergeht mit der Zeit – und das recht schnell. Dies zeigen die Ergebnisse einer weltweit einmaligen Langzeitstudie mit Auslandsstudierenden. Ein Hang zur Neurotik und das Bestreben, es allen recht machen zu wollen, gehören hingegen zu den Faktoren, die mit dem Entstehen von Heimweh assoziiert sind.

Langzeitstudie zum Thema Heimweh

Heimweh schmerzt. Mehr als das. Es kann zu gesundheitlichen und kognitiven Beeinträchtigungen, Lernschwierigkeiten, Zurückgezogenheit und allgemeinen psychischen Problemen führen. Wissenschafter der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems (KL Krems), der University of Cambridge (UK) und der Universität Konstanz (D) haben sich der Thematik angenommen und eine weltweit einmalige Langzeitstudie zum Thema Heimweh durchgeführt. Es gelang ihnen, die Gefühlswelt Betroffener direkt während eines Auslandsaufenthalt zu erfassen. Das Tool dafür war eine eigens konzipierte Smartphone-App.

„Tatsächlich“, so erläutert einer der Studienautoren, Prof. Stefan Stieger vom Department für Psychologie und Psychodynamik der KL Krems, „wurden die meisten bisherigen Studien zu einem Zeitpunkt durchgeführt, als die Betroffenen bereits wieder heimgekehrt waren. Die Aussagen der Personen wurden dabei natürlich durch die Erinnerung ‚gefiltert‘ und beeinflusst. Genau diesen Einfluss haben wir durch die Entwicklung einer App erstmals eliminieren können.“ Eine Methode, die es auch erlaubte, die Entwicklung von Heimweh über einen Zeitraum von drei Monaten wissenschaftlich zu analysieren.

Heimweh am stärksten zu Beginn des Auslandsaufenthalts

Die Ergebnisse der Studie wurden in „Environment and Behavior“ veröffentlicht. So ergab die Auswertung der Daten, dass Heimweh bereits am Beginn eines Auslandsaufenthalts am stärksten war; danach aber rasch abflaute. Einen kräftigen Effekt, der das Heimweh hingegen unterstütze sah das Team in einem Hang zur Neurotik bei den Probanden. Personen, die zu emotionaler Instabilität neigen, empfanden Heimweh stärker als andere Betroffene – genauso wie Personen, die als besonders umgänglich erscheinen, da sie bemüht sind, es allen Personen in ihrem Umfeld recht zu machen.

„Das erscheint zunächst vielleicht widersinnig.“ meint Prof. Stieger dazu. „Doch dieser Zusammenhang lässt sich vielleicht damit erklären, dass solchermaßen veranlagte Personen darunter leiden, dass sie den Wünschen und Bedürfnissen von Freunden und Familie zu Hause nicht mehr in ausreichendem Maße gerecht werden können.“

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Auch Faktoren, die zur Verringerung des Heimwehempfindens beitrugen, konnten im Rahmen der Studie gefunden werden. Diese waren insbesondere die Unterstützung beim Einleben durch die Gasthochschulen, vorherige Auslandsaufenthalte, die freiwillige Bereitschaft, überhaupt ins Ausland zu gehen und die Identifikation mit der Gastnation. Hier waren die Effekte auf Grund der allgemein geringen Intensität des Heimwehs eher schwach, bestätigten aber Ergebnisse aus anderen Studien. Deren Resultate basieren jedoch auf den erwähnten nachträglichen Befragungen. Die Bestätigung durch die aktuelle Studie mit ihrem verbesserten Design ist somit eine wichtige Ergänzung.

Im Rahmen der Studie erfolgte die Befragung der Probanden durch eine eigens entwickelte Smartphone-App. Diese forderte über einen Zeitraum von drei Monaten die Beteiligten auf, einen Heimwehfragebogen zu beantworten. Somit erfolgte die Beantwortung unmittelbar in Phasen, in denen Heimweh empfunden wurde – und nicht Wochen später. Insgesamt nahmen knapp 150 Probanden im Alter von 18 bis 29 Jahren freiwillig an der Studie teil.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Götz, F. M., Stieger, S. & Reips, U.-D. (2018). The Emergence and Volatility of Homesickness in Exchange Students Abroad: A Smartphone-Based Longitudinal Study. Environment and Behavior, in Druck. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.1177/0013916518754610

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