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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

17. Mai 2018

Mit Sound Masking gegen den Störfaktor Lärm

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Rund 40 Prozent aller Erwerbstätigen hierzulande arbeiten im Büro. Doch oftmals werden Büroimmobilien den Bedürfnissen moderner Arbeitsanforderungen nicht gerecht und führen zu Reizüberflutung, Ablenkung und Stress. Internationalen Studien zufolge nehmen Büroarbeiter vor allem die Akustik als besonderen Störfaktor wahr. Das muss nicht sein: Sound Masking lautet das Zauberwort.

Belästigender Lärm am Arbeitsplatz

Rund ein Viertel aller Beschäftigten fühlt sich durch belästigenden Lärm am Arbeitsplatz gestört. Dieser Begriff lässt sich objektiv nicht definieren. Schallmessungen und vorgegebene Richtwerte geben lediglich einen Anhaltspunkt für den Grad der Belästigung. Ob ein Mensch ein Geräusch als Belästigung empfindet, hängt neben der Lautstärke von einer Reihe weiterer Faktoren ab. Maßgebend sind dabei die Art des Geräusches sowie die Situation und die Einstellung der Betroffenen zur Lärmquelle. Trotz dieser Subjektivität wird die krankmachende Wirkung von belästigendem Lärm heute kaum mehr bestritten.

Raum- und Arbeitsplatzgestaltung haben starken Einfluss auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Das haben interdisziplinäre Forschungen unter Beteiligung von Psychologen, Ärzten und Akustikern zum Thema längst bewiesen. Die US-Psychologen Alan Baddeley und Pierre Salamé fanden z.B. heraus, dass Hintergrundstimmen das verbale Kurzzeitgedächtnis von Probanden beeinträchtigten, selbst wenn diese ihnen keine Aufmerksamkeit schenkten.

Forscher des Fraunhofer-Instituts demonstrieren mögliche Lösung

Noch erfüllen viele der rund 17 Millionen Büroarbeitsplätze in Deutschland die Bedürfnisse nicht, die aus modernen Arbeitsanforderungen erwachsen. Forscher des Fraunhofer-Instituts demonstrieren auf der diesjährigen Tour der „MS Wissenschaft“ durch 34 deutsche Städte eine mögliche Lösung für das Problem, das z.B. in Störungen oder Arbeitsunterbrechungen durch Gespräche von Kollegen besteht und zu Unzufriedenheit, mehr Fehlern und schlechteren Arbeitsergebnissen, erhöhtem Krankenstand und gesteigerter Mitarbeiterfluktuation führt.

„Die aktuell angewandten Kenngrößen aus Richtlinien und Normen zur raumakustischen Konditionierung von Büroflächen gewährleisten keine ausreichend und wahrnehmbar gute akustische Qualität“, sagt Noemi Martin, Wissenschaftlerin am Fraunhofer-Institut in Stuttgart. Die störenden Einflüsse im Büro fordern kreative und innovative Lösungen. Mit Sound Masking (Geräuschüberdeckung) bieten Martin und ihre Kollegen eine Technologie zur Verbesserung der akustischen Umgebungsbedingungen. Dabei wird störendes Hintergrundsprechen durch das Einspielen neutraler Schallsignale (Rauschen) zielgerichtet überlagert. Sound Masking soll die empfundenen Störungen durch irrelevanten Sprachschall reduzieren, die Leistungsfähigkeit steigern und das Privatheitsempfinden der Mitarbeiter erhöhen.

Die entsprechenden Systeme lassen sich teils unsichtbar in die Architektur oder ins Mobiliar integrieren. »Um die akustischen Bedingungen zu verbessern, wird der Umgebung Schall hinzugefügt, was für die meisten Menschen intuitiv nicht nachvollziehbar ist. Dabei wird das Grundgeräusch zielgerichtet angehoben, Gespräche von Kollegen lassen sich dadurch überdecken – die Sprachverständlichkeit wird so reduziert«, erläutert Martin das Grundprinzip von Sound Masking.

Besucher der MS Wissenschaft 2018 können Sound Masking testen

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Mit dem Raumlabor für ganzheitliche Wirkungsforschung haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Fraunhofer Institut eine Testumgebung geschaffen, in der sie den Zusammenhang zwischen negativen Wirkfaktoren in der Arbeitsumgebung und gesundheitlicher sowie leistungsbezogener Beeinträchtigung und Minderung des Wohlbefindens untersuchen. Dieser Zusammenhang gilt aber nicht nur für Büroräume, sondern auch für vergleichbare Räume in Bildungseinrichtungen, Krankenhäusern und anderen Gebäuden.

Auf der MS Wissenschaft 2018 können die Besucher die Zusammenhänge zwischen akustischem Komfort und Leistungsfähigkeit in Büro- und Schulumgebungen selbst erfahren. An dem dort installierten Büroarbeitsplatz wird eine Arbeitsaufgabe in Form eines Gedächtnistests implementiert, der sensitiv für Störungen durch Hintergrundsprechen ist. Die Besucher bearbeiten den Test. Zeitgleich werden über Kopfhörer verschiedene Hintergrundgeräuschkulissen dargeboten, die die Leistungsfähigkeit während der Aufgabenbearbeitung in unterschiedlicher Weise beeinträchtigen. Die Besucher erhalten unmittelbar Feedback über ihre Fehlerrate in den einzelnen Bedingungen. Somit werden die unterschiedliche Wirkung verschiedener Geräuschkulissen sowie das Potenzial von Sound Masking erlebbar.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:
Pressemitteilung des Fraunhofer-Instituts
Hier gibt es Informationen zur MS Wissenschaft 2018

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