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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

3. Mai 2018

Chefs ernten mehr Tadel

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Ein Angestellter erhält für positive Konsequenzen seines Handelns deutlich mehr Lob als sein Boss. In einem Experiment von Bochumer und Kölner Forschern kam nun heraus, dass über Lob und Tadel – anders als bislang angenommen – scheinbar der soziale Status der handelnden Person entscheidet und nicht die Tatsache, wie viel Einfluss sie auf die Situation genommen hat.

Taten, Konsequenzen, Absichten

„In der Ethik wird typischerweise angenommen, dass für die Menge an Lob und Tadel, die jemand verdient, drei Faktoren relevant sind: was er getan hat, wie schlimm die Konsequenzen seines Handelns für andere sind und welche Absichten er verfolgt hat“, sagt Pascale Willemsen. „Aber so läuft es in der Praxis nicht.“ Ein Chef wird für negative Konsequenzen seines Handelns deutlich mehr getadelt als ein Mitarbeiter. Das ergeben Forschungen, die die Philosophen Prof. Dr. Albert Newen und Pascale Willemsen von der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. Kai Kaspar vom Psychologischen Institut der Universität zu Köln in der Zeitschrift „Philosophical Psychology“ veröffentlicht haben.

Bisherige Theorien waren davon ausgegangen, dass nur das Ausmaß, in dem man etwas kausal beeinflussen kann, die Zuschreibung von Lob und Tadel beeinflusst. „Demgemäß erhielte der Boss nur deswegen mehr Tadel als der Arbeitnehmer, weil er die Entscheidung gefällt hat und somit mehr kausalen Einfluss in der Situation hat“, erklärt Kai Kaspar. Die soziale Rolle als Boss hätte nach dieser Theorie keinen Einfluss.

Online-Studie mit 209 Probanden

Willemsen, Newen und Kaspar testeten die Annahme in einer Online-Studie mit 209 Probanden aus den USA. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten Stellung zu folgender Situation nehmen: Nicht der Boss, sondern ein Angestellter trifft eine wichtige Entscheidung im Unternehmen. Sowohl dem Angestellten als auch seinem Vorgesetzten ist dabei bewusst, dass die Entscheidung zwar im Interesse der Firma ist, aber negative Nebeneffekte für die Umwelt haben wird. Beiden sind diese explizit egal.

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In dem Experiment erhielt trotzdem der Boss mehr Tadel als der Angestellte, obwohl er die Entscheidung gar nicht selbst getroffen hatte. „Wir haben nun guten Grund zu der Annahme, dass die soziale Rolle wesentlich mit darüber entscheidet, wie sehr wir negative Konsequenzen einer Person zuschreiben“, folgert Albert Newen. Die philosophische Ethik vernachlässige die soziale Verankerung ethischer Beurteilungen bislang, fügt er hinzu. „Dabei zeigen empirische Befunde, dass Menschen ihre moralischen Urteile auf andere Weise fällen, als Moralphilosophen es gerne hätten.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:
Willemsen, P., Newen, A. & Kaspar, K. (2018). A new look at the attribution of moral responsibility: The underestimated relevance of social roles. Philosophical Psychology, DOI: 10.1080/09515089.2018.1429592

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