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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

5. April 2018

Informationen & emotionale Unterstützung: Wie soziale Netzwerke uns helfen können

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Sich mehrmals täglich bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken einzuloggen, gehört für viele mittlerweile zur täglichen Routine. Oft wird befürchtet, dass das permanente Checken der überwiegend positiven Statusmitteilungen anderer zu Stress, Neid und reduziertem Wohlbefinden führt. ForscherInnen des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) haben in einer groß angelegten Studie die Effekte der Nutzung verschiedener sozialer Medien untersucht.

Verbindung über Soziale Medien

Soziale Medien helfen uns, mit vielen Menschen in Verbindung zu bleiben – ganz egal, ob es enge Freunde sind und damit starke Bindungen, Bekannte und damit schwache Bindungen oder Menschen, die wir kaum kennen. Starke Bindungen geben uns emotionale Unterstützung, während schwache Bindungen uns neue Informationen liefern, dies zeigt die Forschung zu sozialen Netzwerken. Am IWM wurde in diesem Zusammenhang die Studie des Projekts ReDefTie vom Europäischen Research Council (ERC) gefördert – eine der wichtigsten Förderungen auf EU-Ebene. ReDefTie steht für „Redefining tie strength – how social media (can) help us to get non-redundant useful information and emotional support”. Prof. Dr. Sonja Utz, Leiterin des Projekts, und ihr Team untersuchten, inwiefern soziale Medien es verändern, wie und von wem wir Informationen und emotionale Unterstützung erhalten. Bei „Redefining tie strength” geht es also darum „Bindungsstärke neu zu definieren“.

Beruflich und privat genutzte Plattformen untersucht

In einer Studie mit niederländischen InternetanwenderInnen über einen Zeitraum von 2013 bis 2017 wurden die Effekte der Nutzung verschiedener sozialer Medien untersucht. Durch die Berücksichtigung von eher privat genutzten Plattformen wie Facebook und eher beruflich genutzten Plattformen wie LinkedIn konnte ein umfassendes und differenziertes Bild gewonnen werden.

So wird Facebook überwiegend für die Pflege von Freundschaften genutzt. Skeptiker argumentieren, dass die sozialen Netzwerke nur die Illusion von Freundschaft vermitteln würden. Doch die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diese Netzwerke und die so genannten virtuellen Freunde konkreten Nutzen bringen können und diese soziale Beziehungen somit mehr als eine Illusion sind: Die Facebook-Nutzer (etwa 73% der Befragten) berichteten über mehr erhaltene Online-Unterstützung in sozialen Netzwerken als die Nichtnutzer. Und je mehr sie danach fragten, desto mehr Unterstützung erhielten sie. Über einen längeren Zeitpunkt verstärkte sich dieser Effekt sogar: Personen, die einmal soziale Unterstützung im Internet erhalten hatten, fragten ein halbes Jahr später auch häufiger ihr Online-Netzwerk um Rat. Zudem führte die Facebooknutzung langfristig nicht zu mehr Stress oder geringerer Lebenszufriedenheit. Befürchtungen, Facebook würde sich negativ auf das Wohlbefinden ausüben, wirken somit überzogen. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Mehr erhaltene soziale Unterstützung führt aber nicht gleich zu höherer Lebenszufriedenheit – Stress und Lebenszufriedenheit werden folglich mehr durch offline Ereignisse beeinflusst als durch die Nutzung sozialer Medien.

Höhere Informationsvorteile bei Nutzung beruflicher Netzwerke

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Deutlich stärkere Effekte zeigten sich für die Nutzung von Business-Netzwerken wie LinkedIn. Die NutzerInnen berichteten höhere Informationsvorteile im beruflichen Kontext als die Nichtnutzerinnen. Aktive Nutzung und gezielter Netzwerkaufbau spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die im Kontext des Projekts durchgeführten Experimente weisen darauf hin, dass bereits das regelmäßige Überfliegen von Updates dazu beiträgt, sogenannte ambient awareness, also Wissen über die Netzwerkmitglieder und deren Expertise, zu entwickeln. Diese Ergebnisse haben Implikationen für den Einsatz sozialer Medien im organisationalen Wissensmanagement. Sie zeigen, dass die auf beruflichen Plattformen verbrachte Zeit keine Verschwendung ist, sondern ermutigt werden könnte. Sie hilft dabei, richtige AnsprechpartnerInnen zu finden und aktuelle Entwicklungen im Blick zu haben.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Utz, S. & Breuer, J. (2017). The Relationship Between Use of Social Network Sites, Online Social Support, and Well-Being. Results From a Six-Wave Longitudinal Study. Journal of Media Psychology, 115-125. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.1027/1864-1105/a000222

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