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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

29. März 2018

Wer übertreibt, gewinnt

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Faking in Auswahlgesprächen ist ein verbreitetes Phänomen: Nun konnten Psychologen der Universität Ulm und der University of Missouri-St. Louis (USA) erstmals zeigen, wie sich das auf die Beurteilung auswirkt und ob es die Vorhersagekraft der Bewerbungsgespräche beeinträchtigt.

Faking für Interviewer nur schwer zu erkennen

Bisherige Studien zum Thema Faking haben ergeben, dass über 90 Prozent der Bewerber ihre Antworten in Auswahlgesprächen anpassen, um einen besseren Eindruck zu machen. Für Interviewer ist dieses Verhalten nur schwer zu erkennen. Doch mindert Faking überhaupt die Qualität eines Auswahlprozesses? Psychologen aus Ulm und St. Louis (USA) haben erforscht, inwiefern Personen, die Faking in Interviews einsetzen, tatsächlich besser beurteilt werden als ihre „ehrlichen“ Mitbewerber. Weiterhin erhoben die Wissenschaftler um Dr. Anne-Kathrin Bühl und Prof. Klaus Melchers, Leiter der Ulmer Abteilung für Arbeits- und Organisationspsychologie, die (vor allem kognitiven) Fähigkeiten der Studienteilnehmer.

Studie mit 111 studentischen Teilnehmenden

Um Faking in Auswahlgesprächen auf die Spur zu kommen, haben die Forscher umfangreiche Erhebungen mit 111 studentischen Probandinnen und Probanden durchgeführt. Alle Studienteilnehmer wurden zu jeweils zwei Interviews eingeladen, durch die ihre akademische Leistungsfähigkeit eingeschätzt werden sollte. Bei einem Gespräch erhielten sie die Anweisung, sich bestmöglich, als idealer Bewerber für ein hochselektives Masterprogramm zu präsentieren. Darüber hinaus wurde gutes Abschneiden mit Geldpreisen belohnt. Bei einem weiteren Interview wurden die Probanden instruiert, ehrlich über ihr Studienverhalten zu berichten. Zwischen den beiden Gesprächen, die von interviewerfahrenen Universitätsmitgliedern geführt und bewertet wurden, lagen mindestens zehn Tage. Zuvor hatten die Studienteilnehmer einen Online-Fragebogen zu Persönlichkeitsmerkmalen, demographischen Variablen und ihrem Notendurchschnitt ausgefüllt. Weitere Hinweise auf ihre Studienleistung lieferten Einschätzungen von Kommilitonen.

„Faking erfordert ein hohes Ausmaß an kognitiven Fähigkeiten. Bewerber müssen blitzschnell die Ziele des Interviewers erkennen und eine Antwort formulieren, die zum bisherigen Wissen des Gesprächspartners über ihre Person passt“, erklären die Autoren. Deshalb absolvierten alle Probanden einen zusätzlichen Intelligenztest sowie den so genannten ATIC-Test (Ability to identify Criteria), der Rückschlüsse auf ihre Fähigkeit erlaubt, Bewertungskriterien korrekt zu identifizieren.

Bessere Beurteilung von Bewerbern, die Faking einsetzten

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Den Ergebnissen der Arbeits- und Organisationspsychologen zufolge wurden Bewerber besser beurteilt wenn sie Faking einsetzten. Das Ausmaß der Verbesserung hing jedoch systematisch mit dem Abschneiden beim Intelligenz- sowie ATIC-Test zusammen“, erklärt Dr. Anne-Kathrin Bühl. Womöglich trage Faking also gar nicht dazu bei, dass die „falschen“ Bewerber mit weniger Potenzial ausgewählt werden. In der aktuellen Studie ließ sich die Studienleistung von Personen sogar besser anhand des Interviews unter „Faking-Bedingungen“ vorhersagen.

Eine bessere Vorhersage der so genannten kontextbezogenen Leistung im Studium, die beispielsweise das freiwillige Engagement und Hilfsbereitschaft umfasst, lieferte jedoch das „ehrliche“ Interview. Demnach mindert Faking nicht unbedingt die Aussagekraft von Bewerbungsgesprächen. Vielmehr kommt es darauf an, auf welche Leistungsdimensionen Interviewer schließen wollen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Buehl, A-K., Melchers, K. G., Macan, T. & Kuehnel, J. (2018). Tell me sweet little lies: How does faking in interviews affect interview scores and interview validity? Journal of Business and Psychology. doi:10.1007/s10869-018-9531-3

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