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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

27. März 2018

Digitale Balance statt Verteufelung von Technik

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Die Digitalisierung ist eine Herausforderung für Privatleben und Beruf. Schnelligkeit, Multitasking und ständige Erreichbarkeit sorgen für mehr Effizienz, bergen aber auch gesundheitliche Gefahren. Kritische Stimmen u. a. auch aus der Arbeitsmedizin fordern die Arbeitgeber auf, die Arbeitsorganisation und Arbeitsinhalte so zu gestalten, dass die Gesundheit der Beschäftigten geschützt wird. Dazu gehöre auch die Wahrung „digitaler Balance“ im Alltag.

Digitale Werkzeuge können Stresslevel erhöhen

Internet, Soziale Netzwerke und Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie richtig zu nutzen, erfordert Augenmaß: „Es kommt ganz entscheidend darauf an, welche Gewohnheiten jeder einzelne im Umgang mit digitalen Medien entwickelt“, erklärt die Stressmanagementtrainerin Dr. Sabine Schonert-Hirz in der Zeitschrift ASU. Digitale Werkzeuge können die Arbeit erleichtern, Zeit sparen und eine bessere Balance zwischen Familie und Beruf schaffen. Bei falschem Umgang können sie aber auch den Stresslevel erhöhen, das Denken behindern, den Schlaf stören und sogar krank machen. Ein Problem sei vor allem das Suchtpotenzial, ist Dr. Schonert-Hirz ist überzeugt. „Wenn Neugier und Bindungssehnsucht durch digitale Medien angesprochen werden, entwickeln sie eine unwiderstehliche Sogwirkung, die umso stärker wird, je häufiger man sich ihnen aussetzt.“

Belohnungserwartungssystem aktiviert

Digitale Medien aktivieren bei ihren Nutzern das „Belohnungserwartungssystem“ im Gehirn. Schnell kann sich ein Bedürfnis entwickeln, stets auf die Hinweise seines Smartphones reagieren zu müssen. Gleichzeitig auf Nachrichten, Mails und Telefonate zu reagieren und dabei seine Aufgaben im Job zu erledigen, steigert den Stresslevel und kann zu Konzentrationsstörungen führen. Das Abschalten fällt immer schwerer. Obwohl die Nutzung der digitalen Medien am Arbeitsplatz weitgehend akzeptiert ist, werden die negativen Auswirkungen oftmals erst erkannt, wenn es zu einer massiven Überlastung, Schlafstörungen und Abhängigkeit kommt – so lautet das Fazit aus einer Studie unter der Leitung der Ärztin. Die Expertin stellt fest, dass die Sogwirkung digitaler Medien sowohl bei Nutzern als auch Personalverantwortlichen in den Betrieben nicht ausreichend bekannt ist und nicht genug berücksichtig wird.

Die Detox-Strategie

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Wer eine Balance im Umgang mit digitalen Medien erlernen möchte, sollte mit der digitalen Detox-Strategie beginnen, also eine Zeit lang auf Computer und Smartphone verzichten. Durch Entzug werde man für die negativen Auswirkungen sensibilisiert. Weitere wichtige Maßnahmen, die Dr. Schonert-Hirz empfiehlt, sind: Selbstdisziplin und Achtsamkeit, allgemeines Stressmanagement mit Entspannungsübungen, Bewegung, genügend Schlaf und gesunde Ernährung. Sie rät darüber hinaus dazu, private Probleme zu lösen und die eigenen Arbeitstechniken zu optimieren, indem man Aufgaben priorisiert und den Zeitbedarf realistisch einschätzt. Und schließlich gehe es um den Abbau von Selbstüberforderung und den Aufbau von Konzentrationsroutine zum Schutz vor Ablenkung.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Schonert-Hirz, S. (2017). Digitale Balance statt Digital Detox. Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin (ASU), 52, 796–800.

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