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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

23. März 2018

Neues Ranking für Coaches geplant

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Xing will zusammen mit der Universität Salzburg Coaches mit der besten Prozessbewertung auszeichnen. Woran lässt sich ein erfolgreiches Coaching festmachen? Welche Wirkfaktoren gibt es im Coaching-Prozess? Dazu will die Abteilung Sozialpsychologie der Universität Salzburg zusammen mit Professor Siegfried Greif von der Universität Osnabrück eine umfangreiche wissenschaftliche Studie durchführen.

„Top-Business-Coach 2018“

Kooperationspartner sind „Xing Coaches“, die Coach-Plattform des Karrierenetzwerkes Xing, sowie der Medienpartner Handelsblatt. Beide sollen dann die Auszeichnung „Top-Business-Coach 2018 mit der besten Prozessbewertung“ verleihen. Diese sieht vor, dass die Coaches mit der besten Prozessbewertung auf der Plattform „Xing Coaches“ kostenfrei gelistet werden und auf ihrem Coach-Profil eine entsprechende Auszeichnung platziert wird. Zudem können sie eine kostenpflichtige Lizenz beim Handelsblatt erwerben, um das Siegel werblich zu nutzen.

Teilnahme nur bei erfüllten Zugangsvoraussetzungen

Wer als Coach teilnehmen will, muss allerdings die Zugangsvoraussetzungen erfüllen. Dazu gehören eine fundierte Coaching-Ausbildung über mindestens 150 Stunden, eine mindestens dreijährige Tätigkeit als Coach und die erforderliche ethische Grundhaltung. Jeder Coach braucht eine Bewertung von mindestens fünf Klienten. Diese müssen über ein Xing-Profil verfügen - um die Echtheit der Bewertungen etwas besser überprüfen zu können. Xing übernimmt dann die Kurzbewertung und das Matching zwischen Coach und Klienten und kümmert sich um die Vermeidung von Mehrfachbewertungen.

Im nächsten Schritt erhalten Klienten, deren Coaches mindestens fünf Bewertungen erhalten haben, einen Online-Zugang zum Fragebogen für die Prozessbewertung. Dieser läuft über die Universität Salzburg und Xing hat keinen Zugang darauf. Sobald ein Coach mindestens fünf Prozessbewertungen erhalten hat, bekommt er selbst die Möglichkeit, diese fünf Coaching-Prozesse mit dem jeweiligen Klienten individuell zu bewerten. Anschließend soll aus den Daten ein statistisches Modell berechnet werden und die rund hundert Business Coaches mit der besten Prozessbewertung ermittelt werden.

Die Fragebögen wurden von der Universität Salzburg, Abteilung Sozialpsychologie in Kooperation mit Professor Greif unter Beachtung wissenschaftlicher Kriterien zusammengestellt. Verwendet wurden hierbei Skalen und Fragen, die ausgehend von der internationalen Coaching-Forschung dazu geeignet scheinen, den Coaching-Prozess und relevante Ergebnisse abzubilden. Nur wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Salzburg haben Zugang zu den Daten und unterliegen einer Vertraulichkeitsvereinbarung. Die Auswertung der Daten sowie die Erstellung der Liste der besten Prozessbewertungen erfolgt unter strenger Wahrung der Anonymität der Klienten. 

Teilnahme auch über Coaching-Verbände möglich

Zudem soll es die Möglichkeit zur Teilnahme über die Coaching-Verbände geben. Ein Coach kann dann über seinen Coaching-Verband teilnehmen, ohne Mitglied bei Xing sein zu müssen. Das gilt auch für Klienten.

Ob die Verbände mitmachen, ist noch offen. "Die Mitgliedsverbände des Roundtable Coaching sind über die aktuelle Xing-Initiative informiert", schreibt Lutz Salamon, Sprecher des Roundtable der Coachingverbände (RTC). Einen Beschluss zur aktiven Unterstützung oder Teilnahme gebe es jedoch nicht. Eine mögliche Zusammenarbeit mit Xing mit dem Ziel der Förderung und Einhaltung der durch den RTC bislang gesetzten und zukünftig noch zu setzenden Qualitätsstandards sei im Gespräch.

Kehrtwende bei Xing

Für die Wissenschaftler ist das neue Projekt eine Chance, genügend Daten zu bekommen, um die Erfolgsfaktoren im Coaching fundiert analysieren zu können. Für Xing bedeutet das Projekt eine Kehrtwende. Denn 2016 hatte das Karrierenetzwerk in Zusammenarbeit mit dem Magazin Focus (beide gehören zu Burda) und dem Marktforschungsinstitut Statista eine umstrittene Liste von 500 Top-Coaches veröffentlicht. Das mehr als fragwürdige methodische Vorgehen hatte unter Coaches und bei den Coaching-Verbänden für erhebliche Irritationen und massive Kritik gesorgt.

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Noch immer sind die damals gekürten Top-Coaches bei Xing mit dem goldenen Top-Coach-Siegel gekennzeichnet. Wer sich das Prädikat „Pro Coach“ kaufte und rund 500 Euro im Jahr hinblätterte, bei dem wurde in der Xing-Coaching-Datenbank das goldene Focus-Siegel direkt unter seinen Namen gestellt. Wer nur das kostenlose Profil nutzt, bei dem ist das Top-Coach-Siegel erst zu sehen, wenn man das Profil öffnet.

Damit die beiden – höchst unterschiedlichen – Auszeichnungen künftig nicht verwechselt werden können, soll das goldenen Top-Coach-Siegel des Focus-Magazins noch vor einer Veröffentlichung der neuen Ergebnisse aus der Prozessbewertung in den Coach-Profilen verschwinden.

Bärbel Schwertfeger

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