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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

1. März 2018

Westliche Gesellschaften fördern die Ausprägung von Narzissmus

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Wie Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin zeigen konnten, weisen Menschen, die in den alten Bundesländern Deutschlands aufgewachsen sind, höhere Narzissmus-Werte auf als Menschen, die in den neuen Ländern sozialisiert wurden. Einer Studie zufolge, die in der aktuellen Fachzeitschrift „PlosOne“ veröffentlicht wurde, gleichen sich die Werte In der jungen Generation seit der deutschen Einheit an.

Individualistische vs. Kollektivistische Kultur

Während zwischen 1949 und 1989/90 die Bundesrepublik von einer eher individualistischen Kultur bestimmt war, bestand in der DDR eine eher kollektivistische Ausrichtung. Wie sich das gesamtgesellschaftliche Umfeld und die damit verbundene Prägung auf das Selbstwertgefühl der Menschen und ihre Persönlichkeitsmerkmale ausgewirkt haben, untersuchten Wissenschaftler um Prof. Dr. Stefan Röpke und Dr. Aline Vater von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Benjamin Franklin der Charité Berlin. Sie konnten zeigen, wie das gesamtgesellschaftliche Umfeld das Entstehen einer übermäßigen Selbstüberschätzung begünstigt bzw. nicht begünstigt. „Moderne westliche Gesellschaften fördern die Ausprägung von Narzissmus. So weisen Menschen, die in den Bundesländern westlich der innerdeutschen Grenze aufgewachsen sind, höhere Narzissmus-Werte auf als Menschen, die eine Erziehung in der ehemaligen DDR erlebt haben“, erklärt Prof. Röpke. „Gezeigt hat sich dies in unserer Studie vorrangig für den sogenannten grandiosen Narzissmus, der durch starke Selbstüberschätzung gekennzeichnet ist“, stellt der Wissenschaftler fest. Er trat bei den im Westen aufgewachsenen Personen viel öfter zutage, während bei den im Osten Geborenen das Selbstwertgefühl höher ausgeprägt war.

Mehr als 1.000 Personen anonym befragt

Für ihre aktuelle Untersuchung haben die Forscher Daten aus einer anonymen Internetumfrage in der deutschen Bevölkerung herangezogen. Mehr als eintausend Personen beantworteten einen Fragenkatalog, wobei knapp 350 von ihnen in der ehemaligen DDR geboren waren und etwa 680 Studienteilnehmer in der alten Bundesrepublik. Unterschieden wurde bei der Auswertung in subklinischen, unterschwelligen Narzissmus, der zur Persönlichkeit gehört und oft als gesunder Narzissmus bezeichnet wird. Daneben gibt es die pathologische Selbstüberschätzung, die über das gesunde Maß hinausgeht. Der Selbstwert der befragten Personen ist anhand einer in der Forschung etablierten Selbstwertskala ermittelt worden.

Alterskohorten-Effekt nachweisbar

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Die Wissenschaftler konnten einen klaren Alterskohorten-Effekt ausmachen: „Keinen Unterschied sehen wir in der jungen Generation, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls noch nicht geboren oder noch nicht in der Schule war und somit unter gleichen westlichen Bedingungen aufgewachsen ist. Hier sind Narzissmus und Selbstwert in Ost und West gleich ausgeprägt“, konstatiert Dr. Vater, Erstautorin der aktuellen Studie. Der deutlichste Effekt lässt sich in der Generation beobachten, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls sechs bis 18 Jahre alt war, also im Alter des Schuleintritts bis hin zur Volljährigkeit. „Insgesamt sprechen die Ergebnisse der Untersuchung dafür, dass gesellschaftliche Faktoren die Ausprägung von Narzissmus und Selbstwert beeinflussen. Westliche Gesellschaften scheinen erhöhte Narzissmus-Werte in der Bevölkerung zu fördern“, schließt Prof. Röpke.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:
Vater, A., Moritz, S., & Roepke, S. (2018). Does a narcissism epidemic exist in modern western societies? Comparing subclinical narcissism, pathological narcissism, and self-esteem in East and West Germany. PLOS ONE. doi: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0188287

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