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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

23. Januar 2018

Headhunter suchen Führungskräfte 4.0

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.In einer ganzen Reihe von Unternehmen gehört bereits zum Alltag, was andere noch in der Ferne am Horizont auf sich zukommen sehen: Eine neue Arbeitswelt, in der Zusammenarbeit plötzlich und nur für kurze Zeit zustande kommt, in der sich die Rolle von Mitarbeitern rasch verändern kann, Kooperation in virtuellen Teams stattfindet und Kommunikation seltener Face-to-Face. Mit der Frage, welche Kompetenzen unter diesen Umständen vor allem gebraucht werden, befassen sich u.a. Unternehmer, Human Ressource Manager, Psychologen und Soziologen und kommen zu ähnlichen Antworten.

Daten- und Digitalkompetenz notwendig

Von den in der neuen Arbeitswelt benötigten Kompetenzen fallen Daten- und Digitalkompetenz besonders auf. Datenanalysen werden künftig in nahezu jedem Wissensjob eine Rolle spielen, schreibt der Soziologe Andree Martens, in der Zeitschrift „managerSeminare“. Individuelle, den eigenen Fragestellungen angepasste Analysen selbst durchführen zu können, wird damit für immer mehr Mitarbeiter zu einer wichtigen Kompetenz. Dafür braucht es statistisches Grundwissen sowie die Fähigkeit, Analalyse-Systeme zu nutzen. Martens hält darüber hinaus die Fähigkeit zum bewussten, hinterfragenden, tiefen Denken, das der Wirtschaftspsychologe Daniel Kahnemann als langsames Denken bezeichnet hat, für sehr wichtig.

Digitale Kommunikationsmedien nutzen zu können, ist heute schon an vielen Arbeitsplätzen selbstverständlich. In Zukunft wird es noch stärker darauf ankommen, über die Medien so zusammenzuarbeiten, dass stabile, vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen auch ohne persönlichen Kontakt entstehen. Dafür benötigen Mitarbeiter digitale Soft-Skills, wie z.B. die Fähigkeit, Stimmungen aus Nachrichten herauszulesen bzw. umgekehrt Bewertungen sachlich und wertschätzende zu transportieren. Ein Verständnis digitaler Systeme, das weit über die Anwendungskompetenz hinausgeht, wird unverzichtbar. „Das ist vor allem für die Nutzung intelligenter Software wichtig. Um die Entscheidungen verantworten zu können, die mit deren Hilfe getroffen werden, müssen Mitarbeiter wissen, wie die ‚Ratschläge‘ zustande gekommen sind“, so Martens.

Fähigkeit zu komplexem Denken ist wichtig

Diplom-Psychologe Dr. Gerd Reimann, Bereichsleiter Betriebliches Gesundheitsmanagement und Eignungsdiagnostik bei der Deutschen Psychologenakademie, betont im Gespräch mit „Wirtschaftspsychologie aktuell-Online“ die Fähigkeit zu komplexem Denken angesichts zunehmend breit gefächerter Anforderungen. Sie lasse sich schwer trainieren, dafür in Bewerbungsverfahren aber gut testen. Nicht allen Tests stünden Bewerber aber auch HR-Manager gleichermaßen aufgeschlossen gegenüber. Das gelte z.B. für die Testung fluider Intelligenz, die nachweislich zu besonders verlässlichen Prognosen führt. Dennoch oder gerade deshalb fürchteten Kanditen diesen Test. Aus Sorge, dass letztere ihnen abspringen, zögerten sogar Personaler bisweilen ihn anzuwenden. Wichtig ist Dr. Gerd Reimann auch die in der neuen DIN 33430:2016-07 erstmals beschriebene Kombination von Kompetenzen und Potenzialen. „Gerade angesichts sich verändernder Aufgaben kommt es bei der Personalauswahl heute darauf an, über die bereits vorhandenen Kompetenzen hinaus in der Eignungsdiagnostik auch die Potenziale zu ermitteln. Last but noch least stelle er immer wieder fest, wie wichtig bei der Personalauswahl der Abgleich der Unternehmenskulturen des bisherigen und des eventuell künftigen Arbeitgebers ist. „Wer bisher gewöhnt ist, Probleme selbstständig zu lösen, wird es schwer haben, in einer hierarchischen Struktur jeden Lösungsschritt mit seinem Vorgesetzten absprechen zu müssen. Aber auch der umgekehrte Fall könne zu Konflikten führen

Lernen findet in der neuen Arbeitswelt selbstorganisiert statt

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Lernkompetenz war auch in der Vergangenheit wichtig. In der neuen Arbeitswelt findet Lernen zunehmend selbstorganisiert statt. Also müssen Mitarbeiter in der Lage sein, den eigenen Lernbedarf selbst einzuschätzen, die passenden Lernangebote zu finden und ihren Lernprozess selbst zu organisieren. Dazu gehört auch die Fähigkeit zu erkennen, wann man selbst nicht mehr weiterkommt ohne zusätzliches Wissen bzw. ohne eine weitere Qualifikation.

Weitere Kompetenzanforderungen ergeben sich aus der Tatsache, dass in Zukunft noch stärker über Bereichs-, Fach-  und Unternehmensgrenzen hinaus zusammengearbeitet werden wird. Kollaborationskompetenz bekommt dadurch einen höheren Stellenwert. „Insbesondere in selbstorganisierten Teams ist es wichtig, dass Mitarbeiter ihre Inhalte nicht nur verständlich, sondern auch so darstellen können, dass andere sich ebenfalls für diese begeistern“, betont Fabian Kienbaum von Kienbaum, Consultants International in der Januar-Ausgabe der „managerSeminare“.

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Weiterführende Informationen:
Themenabend der Deutschen Psychologen Akademie zur DIN 33430

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