Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

16. Januar 2018

Talent erkannt, Persönlichkeit ignoriert

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Bis zum Jahr 2020 werden sämtliche neu erscheinenden Softwareprodukte und Services irgendeine Form von künstlicher Intelligenz (KI) enthalten. Ungewiss ist jedoch, wie weit menschliche Intelligenz substituierbar ist. Was bedeutet das für die Personalsuche und -auswahl?

KI-gesteuerte Vorauswahl

Werden Bewerber künftig von Robotern interviewt? Oder müssen sie Roboter mindestens mögen, um eine Stelle zu bekommen? Für die meisten Bewerbungsverfahren ist das noch reine Zukunftsmusik. Es gibt jedoch bereits Applikationen, die im Recruiting-Prozess Bewerber interviewen und eine Vorauswahl geeigneter Kandidaten treffen, bevor im nächsten Schritt ein „echter“ Recruiter den Auswahlprozess fortsetzt. Diese Anwendungen werden von KI gesteuert. „Die Kompetenzen der Kandidaten werden nach den Bedürfnissen des Unternehmens gewichtet und zu einer Matching-Liste der am besten geeigneten Kandidaten zusammengefasst. Je häufiger eine Kompetenz in vergleichbaren Stellenanzeigen genannt wird, desto höher ist die Marktgewichtung und damit ihre Relevanz“, schreibt Andreas Wartenberg von der Hager Unternehmensberatung in einem Beitrag für PERSONALIntern, Ausgabe 49/17. Und je mehr relevante Kompetenzen ein Kandidat in seinem Lebenslauf nachweise und je länger er sie erworben habe, je besser sei sein Matching und damit seine Position auf der Liste.

Soziale Kompetenzen des Bewerbers?

Tiefgründige und nachfassende Fragen zu stellen, vermag die Software (noch) nicht. Eine Aussage darüber, ob der Bewerber über die nötigen sozialen Kompetenzen verfügt, bleibt sie schuldig. Ebenso verhält es sich beim Analysieren von besonderen Fähigkeiten, über die Kandidaten – neben den im Lebenslauf genannten – häufig verfügen. Aus der KI-Perspektive, so Wartenberg, kann ein Kandidat nur eine bestimmte Position besetzen. Dass seine Kompetenzen und Expertisen ihn durchaus auch für andere Aufgaben und Tätigkeitsfelder qualifizieren können, kann nur mit menschlicher Intelligenz identifiziert werden.

Vielfältige Eindrücke bei Assessments

Geprüfte Fachinfos
Jetzt zwei neue Hefte der Zeitschrift lesen.
Hier mehr erfahren.

Namhafte Unternehmen wie IBM, GE und Hilton setzen bei der Personalsuche bereits künstliche Intelligenz ein. Mit Hilfe von KI-gesteuerten Programmen lassen sich Talente identifizieren, Arbeitsmuster scannen und analysieren. Menschliche und zwischenmenschliche Wahrnehmungen sind dagegen mittels Algorithmen noch nicht auswertbar. Jeder, der bereits Bewerbungsgespräche geführt oder an Assessments teilgenommen hat, weiß, wie viele Eindrücke von den persönlichen Eigenschaften des Kandidaten dabei erkennbar werden – von den Schweißperlen auf seiner Stirn über stimmliche und sprachlichen Besonderheiten sowie nervösen Reaktionen auf bestimmte Fragen bis hin zu unerwarteten Interessen und Affinitäten. Letztere können womöglich seine besondere Eignung für eine Stelle bedeuten. „Derartige Stärken und Schwächen werden von künstlicher Intelligenz nicht erkannt“, erklärt Andreas Wartenberg. Sein Fazit: „KI kann maßgeblich bei der Sondierung der Hard Facts und der Vorauswahl von Kandidaten hilfreich sein. Es ist aber nicht absehbar, dass ‚Siri‘, ‚Alexa‘ und Co bei den final entscheidenden kompetenzbasierten Recruiting-Prozessen und den Analysen von Persönlichkeitsstrukturen den Menschen ersetzen können.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:
PERSONALIntern, Ausgabe 49/17

Mehr zu diesem Thema:
Bewerber bereiten sich gut vor
Der Chef im Schlafzimmer

Im Themenschwerpunkt „Talente finden und fördern“ stehen neue Erkenntnisse zu Big Data bei der Personalauswahl, Active Sourcing, Innovationsfähigkeit als Wettbewerbsvorteil und Talentmanagement.

Die Wirtschaftspsychologie aktuell im Schnupper-Abo testen.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.