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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

23. November 2016

Mit Paranoia an die Spitze

Paranoia fördert den beruflichen Aufstieg. Das ist das Ergebnis einer Studie von Niels Van Quaquebeke. Der Grund: Menschen mit paranoiden Zügen haben ein hohes Misstrauen anderen gegenüber und zeigen daher eine hohe soziale Anpassungsfähigkeit in potentiell unvorteilhaften Situationen.

Sich heraushalten

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.„Paranoide Menschen sind bestrebt, Beziehungen so zu managen, dass ihre vermeintlichen Widersacher wenig Angriffspunkte haben. Das hilft der Karriere“, erklärt der Psychologe, der an der Hamburger Kühne Logistics University lehrt. Um nach oben zu kommen, müsse man sich einerseits immer wieder richtig positionieren. Andererseits sei es aber auch wichtig, sich aus Situationen heraus zu halten, die schädlich für die Karriere sein können. Beides gelänge Menschen mit paranoiden Wesenszügen besonders gut. Sie seien empfindlich gegenüber Zurückweisung, leicht misstrauisch, selbstbezogen oder für Verschwörungsgedanken empfänglich.

441 Angestellte befragt

In seiner Studie hat Van Quaquebeke 441 Angestellte in unterschiedlichen Bereichen über ein halbes Jahr hinweg befragt. Sie beantworteten Fragen zu ihrer Position im Unternehmen und zu der Zahl ihrer Mitarbeiter. Darüber hinaus füllten sie einen Fragebogen zu paranoiden Vorstellungen aus. Das Ergebnis: Höhere Grundwerte in ihrer paranoiden Persönlichkeit sagten den Aufstieg im Unternehmen voraus.

Auf das Schlimmste gefasst sein

„Ein gewisses paranoides Verhalten kann für Führungskräfte durchaus eine positive Eigenschaft sein“, stellt Van Quaquebeke klar. „Paranoiker sind ständig auf das Schlimmste gefasst und entwickeln Strategien, um sich dagegen zu wappnen.“ Das könne sich auf das Verhalten von Mitarbeitern und Kollegen beziehen, auf die Absichten von Geschäftspartnern oder auf vermeintliche Sabotageversuche am Unternehmen und seinen Produkten.

Paranoid alles durchspielen

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Als Beispiel für eine paranoide Führungspersönlichkeit nennt der Professor den früheren Intel-Chef Andrew Grove. Dieser habe sich permanent Gedanken über die Qualität der Produkte, die Leistungsfähigkeit der Fabriken, die Arbeitsmoral seiner Angestellten und die Pläne seiner Konkurrenten gemacht. Und sei damit für viele Situationen bereits im Vorwege gerüstet gewesen. „Die Wirtschaftswelt wird immer unsicherer“, konstatiert Van Quaquebeke. „Menschen mit paranoiden Eigenschaften sind auf solche Herausforderungen häufig besser vorbereitet, weil sie in Gedanken diese Szenarien schon durchgespielt haben.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Niels Van Quaquebeke (Kühne Logistics University, KLU). (2016). Paranoia as an Antecedent and Consequence of Getting Ahead in Organizations: Time-Lagged Effects Between Paranoid Cognitions, Self-Monitoring, and Changes in Span of Control. Frontiers in Psychology, 7, 1446.

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