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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

27. September 2016

Armes Elternhaus, seltener Führungskraft

Kanadische Forscher haben den Zusammenhang zwischen Armut in Kindheit und Jugend und dem späteren Aufstieg zur Führungskraft untersucht. Ergebnis: Wer mittellose Eltern hatte, ging auf schlechtere Schulen, hatte weniger Selbstvertrauen und war 20 Jahre später seltener Vorgesetzter.

20 Jahre untersucht

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Julian Barling und Julie Weatherhead von der kanadischen Queen’s University haben den Zusammenhang zwischen Armut und Chefrolle untersucht, wie in der Septemberausgabe des Journal of Applied Psychology zu lesen ist.

Sie griffen dabei auf die repräsentative Längsschnittuntersuchung „National Longitudinal Study of Youth“ zurück, mit der seit 1978 damalige Jugendliche befragt werden. Ihnen lagen von 4.536 Personen folgende Daten vor: 1) Armutsstatus der Familie der 14- bis 18-Jährigen 1978, 2) die Qualität der Schule der Jugendlichen 1979, 3) das Selbstvertrauen der nunmehr 28- bis 32-Jährigen 1992 und 4) ob sie 1998 als 34- bis 38-Jährige Führungskraft waren oder nicht.

Armut verhinderte Aufstieg

Armut wirkte sich negativ auf Bildung und Selbstvertrauen aus. Jugendliche in einkommensschwachen Familien gingen auf schlechtere Schulen und hatten 14 Jahre später ein geringeres Selbstvertrauen („Was mir zukünftig passiert, hängt größtenteils von mir selbst ab.“). Schlechtere Schulbildung und ein geringerer Glaube an sich selbst führten dann 20 Jahre später dazu, dass die Befragten häufiger die Frage verneinten: „Führen Sie bei Ihrer Arbeit andere Mitarbeiter?“ Armut in der Familie verhinderte also, dass man zur Führungskraft aufstieg. Bei Frauen kam zudem heraus, dass es ihnen nichts nützte, wenn sie viel von sich hielten. Ein höheres Selbstvertrauen brachte nur Männern etwas, die dann häufiger aufstiegen.

Bildung und Wachstum verwehrt

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Die Autoren fassen zusammen: „Ist man früh in seinem Leben Armut ausgesetzt, begrenzt das mittelbar die Möglichkeit, sich später eine Führungsrolle anzueignen, und zwar dadurch, dass einem hochwertige Schulen verwehrt bleiben und man nicht an Erfolgserlebnissen wachsen kann.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Julian Barling & Julie G. Weatherhead (Stephen J. R. Smith School of Business, Queen’s University). (2016). Persistent Exposure to Poverty During Childhood Limits Later Leader Emergence [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 101 (9), September 2016, 1305-1318.

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