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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

22. Juli 2016

Weniger Kündigungen durch Arbeitgeberwettbewerb

Firmen, die als „beste Arbeitgeber“ ausgezeichnet werden, haben weniger Kündigungen zu beklagen. Ihre Bewerber sind zudem besser qualifiziert. Besonders dann, wenn sie mit einem guten Platz im Arbeitgeberwettbewerb abschneiden. Zu diesen Ergebnissen kommen US-amerikanische Forscher.

624 teilnehmende Firmen erfasst

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Was bringen Arbeitgeberwettbewerbe? Diese Frage stellten sich Brian Dineen von der Purdue University und David Allen von der Rutgers University. Sie werteten Daten eines Anbieters aus, der in den USA regelmäßig einen Best-Places-to-Work-Wettbewerb ausrichtet. Die Ergebnisse stehen im Academy of Management Journal.

Zwischen 2011 und 2013 nahmen 624 Firmen daran teil, die dafür eine Teilnahmegebühr zwischen 600 und 1.000 US-Dollar entrichten mussten. Erfasst wurde, wie häufig sie als attraktiver Arbeitgeber ausgezeichnet wurden und wie hoch ihre Fluktuationsquote und die Qualität ihres Bewerberpools im dritten Jahr war. Die Ergebnisse:

Weniger Kündigungen, bessere Bewerber

Je mehr Auszeichnungen, desto weniger Kündigungen. Je häufiger ein Unternehmen als guter Arbeitgeber zertifiziert wurde, beispielsweise zwei- statt keinmal, desto weniger Mitarbeiter verließen im dritten Jahr freiwillig die Firma. Auch die Platzierung wirkte sich auf die Fluktuation aus. Je besser das Ranking im Wettbewerb war, eine Firma z.B. Achter statt Achtzehnter wurde, desto weniger Mitarbeiter kündigten. Allerdings gab es auch einen Gewöhnungseffekt. In Firmen mit mehreren Auszeichnungen war die Kündigungsrate nicht niedriger als in solchen mit nur einer. Es machte also nur einen Unterschied, ob eine Firma überhaupt oder gar nicht zertifiziert wurde.

Mehr qualifizierte Bewerber in kleineren Firmen. Die Qualität des Bewerberpools („Alles in allem entsprechen die Fähigkeiten der Bewerber den Anforderungen der Firma.“) nahm in kleinen Firmen mit der Anzahl der Zertifizierungen zu. In großen Firmen war dies nicht zu beobachten. Ausgezeichnete Firmen hatten auch mehr gute Bewerber, wenn es auf dem Markt nur wenig Stellenangebote gab (z.B. im Bereich „Produktion“). In allen Firmen gab es überdies einen Verbesserungseffekt. Wer sein Ranking steigern konnte, etwa vom achtzehnten auf den achten Platz, der hatte im Folgejahr geeignetere Bewerber.

Vorteile und Nachteile

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Die Teilnahme am Arbeitgeberwettbewerb lohnte sich also. Die Firmen hatten dann weniger Kündigungen zu beklagen und mehr gut ausgebildete Bewerber. Ein guter Rangplatz steigerte diese Wirkung noch einmal.

Die Forscher fassen die Vorteile dieser Wettbewerber zusammen: 1) Sie können die Fluktuationsrate senken. 2) Die Firmen erhalten Daten aus Mitarbeiterbefragung und Marktreport, die bis zu 10.000 US-Dollar wert sind. Dem stehen aber auch Nachteile gegenüber: 1) Die Firma muss 40 bis 80 Prozent ihrer Mitarbeiter dazu bewegen, entsprechende Fragebögen auszufüllen. 2) Um einen Rangplatz zu verteidigen, muss viel investiert werden, z.B. in Sozialleistungen, in Fitness- oder Wellness-Programme.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Brian R. Dineen (Purdue University) & David G. Allen (Rutgers University & Warwick Business School). (2016). Third Party Employment Branding: Human Capital Inflows and Outflows Following “Best Places to Work” Certifications [Abstract]. Academy of Management Journal, 59, 90-112.

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