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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

10. Mai 2016

Anwälte und Manager sind häufiger psychopathisch

In einer neuen Studie kam heraus, dass vor allem Anwälte und Manager psychopathische Züge hatten, also tendenziell unehrlich, gefühlskalt und verantwortungslos waren. Optimistische Psychopathen fanden eher einen einträglichen Job als hoffnungslose.

Charmant, aber betrügerisch

Alle Hefte im ÜberblickRegina-Viola Frey von der German Graduate School of Management and Law hat in einem Forschungsprojekt untersucht, ob psychopathische Eigenschaften bei bestimmten Berufsgruppen häufiger zu finden sind.

Subklinische Psychopathie, also ein entsprechendes Eigenschaftsmuster, das nicht unbedingt zu einer klinischen Diagnose führen muss, hat vier Merkmale:

Ärzte, Anwälte, Manager untersucht

Das Forscherteam um Regina-Viola Frey befragte 849 Personen zu ihren psychopathischen Eigenschaften, darunter Ärzte, Anwälte, Manager und arbeitslose Akademiker. Im ersten Schritt werteten die Wissenschaftler aus, welche Berufe am häufigsten psychopathisch geprägt waren, im zweiten Schritt, was Psychopathen erfolgreich machte. Über ihre Ergebnisse berichtete Frey in einem Interview mit ihrer Hochschule und im Managementblog der Wirtschaftswoche. Die Ergebnisse:

Psychopathische Anwälte fielen auf

Anwälte und Manager hatten am häufigsten psychopathische Züge. Unter den 849 Befragten waren 306 Personen (36 Prozent), deren Psychopathie „eher hoch“ ausgeprägt war. In dieser Gruppe waren am häufigsten Anwälte (37 Prozent), gefolgt von Managern (27 Prozent) und Ärzten (22 Prozent). Arbeitslose Akademiker waren in der Psychopathengruppe nur mit 14 Prozent vertreten.

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Optimismus machte Psychopathen erfolgreich. Die Forscher prüften, welche Eigenschaften die Psychopathen, die einen einträglichen Job hatten, von jenen unterschieden, die arbeitslos waren. Die klassischen Persönlichkeitsmerkmale wie Geselligkeit oder Gewissenhaftigkeit erklärten den Gruppenunterschied nicht. Lediglich das sogenannte psychologische Kapital trennte die erfolgreichen von den weniger erfolgreichen (arbeitslosen) Psychopathen: Jene mit Job blickten zuversichtlicher in die Zukunft (Optimismus), hielten häufiger an ihren Zielen fest (Hoffnung), waren von ihrem Können überzeugter (Selbstwirksamkeit) und überwanden Hürden besser (Widerstandsfähigkeit) als die Arbeitslosen.

Zielstrebigkeit ist entscheidend

Regina-Viola Frey sagt, dass es in manchen Jobs hilfreich sein könne, Emotionen „auszuschalten“, etwa bei Anwälten, die mit Straftaten zu tun haben, oder bei Managern, die Mitarbeiter entlassen. Psychopathie mache aber nicht per se erfolgreicher. Optimismus und Zielstrebigkeit dürften im Job entscheidender sein.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Claudia Tödtmann (2016, 2. Mai). Bei den Anwälten sind die meisten Psychopathen – Interview mit Wissenschaftlerin Regina-Viola Frey. Management-Blog, Wirtschaftswoche.

German Graduate School of Management and Law (Hrsg.). (2016, 3. Mai). „Entlassungen sind einfacher zu bewältigen, wenn man Mitgefühl ausschalten kann“. Regina-Viola Frey im Interview. Heilbronn: Herausgeber.

Im Themenschwerpunkt „Die Psyche des Chefs“ stehen neue Erkenntnisse zu Managercharakter, dunkler Triade der Persönlichkeit, emotionaler Kompetenz, Humor, Ärger und Selbstzweifeln.

Zum psychologischen Kapital, den zentralen Stärken von Angestellten, gehören Selbstwirksamkeit, Hoffnung, Optimismus und Widerstandsfähigkeit.

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