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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

4. April 2016

Frauen in Vorständen tragen mehr zum Unternehmenswert bei

Wenn Frauen aus Vorständen oder Aufsichtsräten ausscheiden, sinkt der Aktienwert eines Unternehmens deutlich. Wenn männliche Spitzenmanager ausfallen, verändert sich die Börsennotierung hingegen gar nicht. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie.

3.000 ausgeschiedene Topmanager überprüft

Alle Hefte im ÜberblickDie Auswertung wurde von Thomas Schmid von der Universität Hongkong und Daniel Urban von der Technischen Universität München durchgeführt und beim Treffen der American Finance Association vorgestellt. Sie trugen Daten von rund 3.000 Managerinnen und Managern in Vorständen oder Aufsichtsräten aus 53 Ländern zusammen, die aus den Leitungsgremien wegen Tod oder Krankheit ausgeschieden waren. Dann schauten sie, wie sich dadurch der Aktienkurs des Unternehmens veränderte. So konnten sie ausmachen, was die ausgeschiedenen Unternehmenslenker(innen) „wert“ waren. Die Ergebnisse:

Spitzenmanagerinnen waren mehr „wert“

Weibliche Vorstände trugen mehr zum Unternehmenswert bei. Wenn hochrangige Managerinnen ausschieden, fiel der Aktienkurs des Unternehmens durchschnittlich um zwei Prozent. Schied ein Mann aus Vorstand oder Aufsichtsrat aus, veränderte sich der Kurs nicht. Weibliche Führungskräfte an der Unternehmensspitze trugen also mehr zum Unternehmenswert bei als männliche.

Der Fraueneffekt kam durch eine härtere Auswahl zustande. Im zweiten Schritt rechneten die Wissenschaftler die Frauenquote der Leitungsgremien ein. Hierbei zeigte sich, dass der Aktienkurs deutlicher fiel, wenn eine Frau aus einem Gremium mit niedriger Frauenquote ausschied (z.B. in Japan mit durchschnittlich drei Prozent). Wenn Managerinnen Gremien mit hoher Frauenquote verließen (z.B. auf den Philippinen mit durchschnittlich 20 Prozent), sank der Aktienkurs nicht so deutlich. Frauen, die es trotz Männerdominanz in die Führungsgremien schafften, hatten einen harten Auswahlprozess hinter sich und mussten besonders leistungsfähig sein.

Frauenquote verhindert Bestenauswahl

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Die Autoren fordern zweierlei: erstens einen Auswahlprozess, der für Frauen und Männer gleich ist, und zweitens keine Frauenquote, da damit nicht immer die besten Führungskräfte ausgewählt werden. Sie betonen aber, dass Frauen genauso gute Aufsichtsräte oder Vorstände sind wie Männer.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Thomas Schmid (The University of Hong Kong) & Daniel Urban (Technische Universität München). (2015). Women on Corporate Boards: Good or Bad? Paper presented at the American Finance Association 2016 San Francisco Meetings.

Im Themenschwerpunkt „Die Psyche des Chefs“ sind neue Erkenntnisse zu Managercharakter, dunkler Triade der Persönlichkeit, emotionaler Kompetenz, Humor, Ärger, und Selbstzweifeln zusammengetragen.

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