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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

19. Oktober 2015

Geschlechter-Einkommenslücke auch unter Chefin

Auch wer als Frau eine Chefin hat, verdient mitunter weniger als männliche Kollegen. Das zeigt die aktuelle Studie „Reexamining the Influence of Female Managers on the Gender Wage Gap” von Sameer Srivastava und Eliot Sherman, die im American Journal of Sociology erschien.

1.700 Angestellte untersucht

Alle Hefte im ÜberblickDie Managementforscher untersuchten, wie sich die Gehälter von Angestellten veränderten, wenn sie von einer männlichen zu einer weiblichen Führungskraft wechselten und umgekehrt. Sie analysierten die Daten von 1.701 Vollzeitangestellten, die zwischen 2005 und 2009 für ein führendes IT-Unternehmen in den USA arbeiteten. Die Forscher hatten Zugang zu sämtlichen Personaldaten, wie etwa Gehalt, Führungsstruktur, jährlicher Leistungsbewertung sowie demografischen Informationen.

Lücke bei Low Performern

Obwohl frühere Studien erwarten ließen, dass Chefinnen als „Change-Agentinnen” handeln würden, um den Gender Wage Gap, die Geschlechter-Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen, zu reduzieren, fand sich kein Beleg dafür. Im Gegenteil: Wechselten weibliche sogenannte Low Performer zu einer weiblichen High-Performer-Führungskraft, waren sie finanziell schlechter gestellt als ihre männlichen Kollegen, die denselben Wechsel vollzogen.

Abwertungsangst

Laut Sameer Srivastava kann das daran liegen, dass sich diese Chefinnen als Mitglied einer hochwertigeren Gruppe ansehen, sich aber sorgen, dass das andere nicht so sehen. „Es könnte sein, dass weibliche High Performer Angst haben, dass sie durch ihre Verbindung zu weiblichen Low Performern abgewertet werden“, erklärt er. Das könne dazu führen, dass sie die Leistungen der Mitarbeiterinnen als zu gering einschätzen.

Kultur muss sich wandeln

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Die Autoren bezeichnen es als Wunschdenken, dass mit mehr Frauen in Führungspositionen automatisch die Einkommenslücke verringert würde. Stattdessen ist aus ihrer Sicht ein fundamentaler Wandel der Organisationskultur nötig, hin zu mehr Gleichheit bei den Geschlechtern, zu mehr Initiativen, die Frauen helfen, sich nicht als Einzelfälle zu fühlen und sich im Beruf mit ihrem Geschlecht zu identifizieren.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Sameer B. Srivastava & Eliot L. Sherman (University of California, Berkeley). (2015). Agents of Change or Cogs in the Machine? Reexamining the Influence of Female Managers on the Gender Wage Gap [Abstract]. American Journal of Sociology, 120 (6), 1778-1808.

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