Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

5. Februar 2015

Facebook kennt dich besser als deine Freunde

Computer können die Persönlichkeit eines Menschen besser beurteilen als Freunde oder Familienmitglieder. Das haben Forscher der Cambridge-Universität herausgefunden. Wu Youyou und ihre Ko-Autoren Michal Kosinski und David Stillwell setzten einen neuen Algorithmus ein, der die Persönlichkeit anhand von Facebook-Likes einschätzte.

Computer schlägt Freund

Alle Hefte im ÜberblickIn der Studie konnte der Computer die Persönlichkeit einer Person besser einschätzen als deren Freude oder Bekannte:

Gemessen daran, dass der durchschnittliche Facebook-Nutzer 227 Likes hat und diese Zahl ständig steigt, glauben die Forscher, dass uns Rechner demnächst besser kennen werden als unsere engsten Freunde. „In Zukunft könnten Computer unsere Persönlichkeitsmerkmale herausfinden und entsprechend reagieren, was sie zu Maschinen mit sozialen Kompetenzen machen würde“, sagt die Psychologin Wu Youyou.

Daten von 86.000 Facebook-Nutzern ausgewertet

Für ihre Studie werteten die Forscher die Daten von 86.220 Facebook-Nutzern aus, die freiwillig an der Studie teilnahmen. Sie füllten einen Persönlichkeitsfragebogen mit der App myPersonality aus, der auf den Big Five basierte – also auf den fünf Persönlichkeitsmerkmalen Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit. Außerdem gaben sie ihre Likes zur Analyse frei.

So konnten die Forscher herausfinden, welche Likes mit welchen Persönlichkeitsmerkmalen übereinstimmen. Likes für Salvador Dali oder Meditation standen zum Beispiel für einen höheren Grad von Offenheit. Die Teilnehmer luden dann ihre Freunde und Familien ein, die eigene Persönlichkeit ebenfalls einzuschätzen. Schließlich verglichen die Forscher die Persönlichkeitsbeurteilung durch einen Computeralgorithmus mit den Beurteilungen durch Freunde, Familienmitglieder und Partner.

Computer meistert Informationssammlung

Geprüfte Fachinfos
in zwei neuen Ausgaben der Zeitschrift lesen –
mit 30% Preisvorteil.
Hier mehr erfahren.

Computer hätten bei der Persönlichkeitsanalyse einige Vorteile gegenüber dem Menschen, erklärt Michal Kosinski. Sie könnten viele Informationen verarbeiten und sie mit Algorithmen analysieren. Menschen achteten dagegen oft zu sehr auf Einzelheiten oder tendierten zum irrationalen Denken.

Dass Computer die eigene Persönlichkeit treffgenau bestimmen können, ist für viele eine Horrorvision, bei der die Privatsphäre auf der Strecke bleibt. Das sehen die Forscher auch so. „Wir hoffen, dass Verbraucher, Technologie-Entwickler und Politiker diese Herausforderung angehen und entsprechende Gesetze und Technologien schaffen, die dem Nutzer die volle Kontrolle über ihren digitalen Fußabdruck geben”, erklärt Michal Kosinski.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Wu Youyou (University of Cambridge), Michal Kosinski (Stanford University) & David Stillwell (University of Cambridge). (2015). Computer-based personality judgments are more accurate than those made by humans. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), 112 (4), January 27, 1036-1040.

Nach einem Computerspiel waren Personen geneigt, den falschen Empfehlungen eines Computers zur beruflichen Eignung zu folgen.

Wenn es um Facebook geht, werden Datenschützer schon mal deutlich. Dann ist von der Datenkrake oder gar der Kannibalisierung des Individuums die Rede.

Fredi Lang vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen sagt in einem Interview, dass ein jüngst veröffentlichtes Facebook-Experiment das Ansehen psychologischer Studien beschädige.

Der neue Themenschwerpunkt „Der Wert der Werte“ zeigt, wie sich Wertvorstellungen auszahlen. Darin werden Vertrauen, Authentizität, solidarische Wertegemeinschaften, Respekt, wertebasierte Selbstführung und Spiritualität ausführlich behandelt.

Die Wirtschaftspsychologie aktuell im Schnupper-Abo testen.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.