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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

5. September 2014

Schwere Arbeit und Schichtdienst erhöhen das Risiko für einen Suizid

Körperlich anstrengende Arbeit und Schichtdienst, die über eine längere Zeit erfolgen, führen zu einem dreimal höheren Suizidrisiko im Vergleich zu Beschäftigten, die weniger schwer arbeiten. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie.

Daten von 6.817 Beschäftigten analysiert

Alle Hefte im ÜberblickDie Studie wurde von einem Forscherteam um den Mathematiker Jens Baumert vom Institut für Epidemiologie II des Helmholtz-Zentrums München, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, durchgeführt.

Die Epidemiologen analysierten Daten von 6.817 Beschäftigten, die zwischen 1984 und 1995 das erste Mal und im Durchschnitt 12,6 Jahre später das zweite Mal befragt wurden. Dabei prüften sie, wie viele Suizide es zum Zeitpunkt der zweiten Befragung gab und durch welche Faktoren sie sich vorhersagen ließen. Die Ergebnisse sind in der Oktoberausgabe des Journal of Psychiatric Research abgedruckt.

Je anstrengender, desto mehr Suizide

Zeitlich und körperlich anstrengende Arbeit erhöhte das Suizidrisiko. Arbeit, die bezogen auf den Tagesrhythmus anstrengend war (z.B. viele Überstunden, Wechselschichten), ging mit einem erhöhten Suizidrisiko einher. Ebenso gab es mehr Suizide, wenn die Arbeit körperlich schwer war (z.B. Lärm oder Schadstoffe bei der Arbeit). Das Suizidrisiko verdreifachte sich dabei. Das erhöhte Risiko bestand auch dann, wenn man andere Risikofaktoren wie alleine leben, niedriger Bildungsgrad, Rauchen, hoher Alkoholkonsum oder Neigung zu depressiver Stimmung herausrechnete.

Körperlich anstrengende Arbeit erhöht langfristig das Suizidrisiko
StudioLaMagica/Fotolia

Körperlich anstrengende Arbeit erhöht langfristig das Suizidrisiko

Psychosozialer Stress hatte keinen Einfluss auf das Suizidrisiko. Schwierige psychosoziale Arbeitsbedingungen (z.B. Probleme im Team oder mit dem Vorgesetzten) oder die subjektiv wahrgenommene Arbeitsbelastung wirkten sich nicht auf mögliche Suizide aus.

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Die Forscher schlussfolgern, dass anstrengende Arbeit und Schichtdienst langfristig dazu führen können, dass man resigniert und aufgibt. Der Suizid kann eine Folge davon sein. Arbeitgeber sollten daher alles daran setzen, körperliche Belastungen einzudämmen und das in ihrer Präventionsstrategie festzuschreiben.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Jens Baumert (Institute of Epidemiology II, Helmholtz Zentrum München, German Research Center for Environmental Health, Neuherberg), Barbara Schneider (LVR-Klinik Köln), Karoline Lukaschek, Rebecca T. Emeny, Christa Meisinger, Natalia Erazo (Department of Psychosomatic Medicine and Psychotherapy, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München) & Nico Dragano (Institute for Medical Sociology, Medical Faculty, Universität Düsseldorf). (2014). Adverse conditions at the workplace are associated with increased suicide risk [Abstract]. Journal of Psychiatric Research, 57, 90-95.

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