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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

20. März 2014

Frauen reagieren unter Stress einfühlsam, Männer selbstbezogen

Frauen reagieren einfühlsamer unter Stress und können sich dabei immer noch gut in andere hineinversetzen. Männer verhalten sich selbstbezogener und denken unter Belastung eher an sich als an andere. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die ein Forschungsteam um Livia Tomova von der Universität Wien durchführte.

Stress für 40 Frauen und Männer

40 Frauen und 40 Männer nahmen an der Studie teil, die in der Maiausgabe der Fachzeitschrift Psychoneuroendocrinology erscheinen wird. Sie mussten sich in stressige Situationen begeben, einen öffentlichen Vortrag halten oder unter Zeitdruck rechnen. Der erhöhte Stress zeigte sich daran, dass das Herz der Teilnehmer deutlich schneller schlug und sie mehr Stresshormon Cortisol ausschütteten.

Nach der Stresssituation wurden ihre Fähigkeiten überprüft, sich in andere hineinversetzen zu können. Wenn sie gut zwischen eigenen und fremden Gefühlen/Gedanken unterscheiden konnten, gelang ihnen das. Sie waren einfühlsam. Wenn sie nur schlecht zwischen eigenem und fremdem Erleben trennen konnten, waren sie selbstbezogen. Die Annahme war, dass Stress eine Kampf- oder Fluchtreaktion auslöst und Menschen selbstbezogen macht, weil sie sich auf sich selbst konzentrieren müssen um anzugreifen oder wegzulaufen. Trat das ein?

Weibliche Empathie, männlicher Egozentrismus

Frauen waren unter Stress einfühlsamer. Es zeigte sich, dass Frauen sich unter Stress besser in andere hineinversetzen konnten als Männer. Sie erkannten klar eigene und fremde Gefühle und waren dadurch besser in der Lage, mitfühlend zu reagieren.

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Männer waren unter Stress selbstbezogener. Männer reagierten hingegen eher nach dem angenommenen Kampf- oder Fluchtmuster. Sie achteten häufig nur auf sich selbst und konnten zwischen eigenen und fremden Gedanken nicht so gut unterscheiden wie Frauen.

Fraglich bleibt, was diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern bedingte. Spielte die Erziehung eine Rolle? War die kulturelle Prägung ausschlaggebend? Oder lag es am Hormon Oxytocin, das bei Frauen aktiver ist und bei zwischenmenschlichem Austausch ausgeschüttet wird? Diesen Fragen wollen die Forscher in Folgestudien nachgehen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

L. Tomova (University of Vienna), B. von Dawans (University of Freiburg), M. Heinrichs (University of Freiburg), G. Silani (International School for Advanced Studies, SISSA-ISAS, Trieste) & C. Lamm (University of Vienna). (2014). Is stress affecting our ability to tune into others? Evidence for gender differences in the effects of stress on self-other distinction (Abstract). Psychoneuroendocrinology, 43, Pages 95–104.

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