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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

25. Februar 2014

Achtsamkeit dämpft positives, nicht aber negatives Feedback

Die beiden Forscher(innen) Rimma Temper und Michael Inzlicht von der Universität Toronto haben herausgefunden, dass Achtsamkeit die Gehirnaktivitäten nach positivem Feedback abdämpft, nicht aber nach negativem. Ihre Studie ist in der Februar-Ausgabe der US-amerikanischen Fachzeitschrift Emotion abgedruckt.

47 Teilnehmer erhielten positives oder negatives Feedback

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47 Teilnehmer sollten in einem Experiment eine Taste drücken, wenn sie meinten, genau eine Sekunde sei verstrichen, nachdem ein Kreuzchen auf einem Bildschirm verschwand. Wenn sie zeitlich richtig lagen, bekamen sie ein Plus-Zeichen zu sehen (positives Feedback), wenn sie falsch lagen, ein Minus-Zeichen (negatives Feedback). Dabei wurde ihre Gehirnaktivität durch ein Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen.

Außerdem füllten sie einen Achtsamkeitsfragebogen aus, mit dem ihre persönliche Neigung zu achtsamem Bewusstsein („Ich bin mir bewusst, welche Gedanken in meinem Geist vorüberziehen.“) und zu achtsamer Akzeptanz gegenüber eigenem Denken und Fühlen („Ich kann mich von mir selbst entfernen, wenn ich unangenehme Gefühle habe.“) gemessen wurden. Die Frage war: Machte Achtsamkeit gelassener und senkte die Gehirnaktivität insbesondere bei negativem Feedback?

Achtsamkeit besänftigte das Gehirn nach positivem Feedback

Alle Hefte im ÜberblickErstaunlicherweise kam heraus, dass Achtsamkeit das Gehirn nur nach positivem Feedback besänftigte. Dann fielen die typischen Ausschläge im EEG weniger stark aus. Nach negativem Feedback reagierte das Gehirn jedoch bei achtsamen wie unachtsamen Personen gleichermaßen stark.

Der Dämpfungseffekt nach positivem Feedback wurde durch die Achtsamkeitsfacette der Akzeptanz erklärt, mit der man negative wie positive Gefühle annehmen und sich von ihnen distanzieren konnte.

Die Forscher betonen mehrfach, dass sie mit diesem Ergebnis nicht gerechnet haben: „Überraschenderweise aber sagte Achtsamkeit keine abgeschwächte Reaktion auf negatives Feedback voraus.“ Sie haben dafür allerdings keine schlüssige Erklärung und gehen nur auf die abgeschwächte Reaktion nach positivem Feedback ein, die achtsame Menschen davor bewahren könnte, Suchtfaktoren wie dem Glücksspiel zu erliegen.

Achtsamkeit: weniger Genuss, gleichbleibendes Leid?

Es bleibt bei dem paradoxen Ergebnis: Achtsamkeit dämpft die Belohnungswahrnehmung und bringt einen möglicherweise um den Genuss. Sie dämpft aber nicht die Bestrafungswahrnehmung, man leidet weiter. Weniger Genuss, gleichbleibendes Leid – klingt nicht vielversprechend.

Psychologisch gesehen könnte das jedoch sogar besser sein, da man mit dieser achtsamen Haltung negative Gefühle nicht überspielt, sondern sich wirklich mit ihnen auseinandersetzt.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Rimma Teper & Michael Inzlicht (2014). Mindful acceptance dampens neuroaffective reactions to external and rewarding performance feedback [Abstract]. Emotion, 14 (1), 105-114.

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