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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

10. April 2013

Anlageverhalten hängt mit Genen zusammen

Wie Menschen Geld anlegen, hängt nicht nur mit ihrer finanziellen Expertise zusammen, sondern auch mit ihren Genen. Amerikanische Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass Personen, die eine bestimmte Kombination von angstbezogenen Genen haben, eine besonders sichere Geldanlage wählen.

Neurotizismus und Serotonin-Gen

Dazu baten sie 60 Freiwillige 10.000 US-Dollar zwischen den drei Anlageoptionen Aktien, festverzinslichen Wertpapiere oder Konto aufzuteilen. Die Untersuchung von Camelia Kuhnen, Professorin der Finanzen an der Kellogg School of Management der Northwestern University in Evanston, Brian Knutson, Psychologieprofessor in Stanford und dem Ko-Autor Gregory Samanez-Larkin von der Vanderbilt University in Nashville, die kürzlich in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht wurde, erklärt, wie ein Serotonin-Gen mit finanziellen Entscheidungen des täglichen Lebens verknüpft ist.

Dabei kommt es auf die individuelle Ausprägung von Neurotizismus an, die wiederum mit der genetischen Ausstattung zusammenhängt. Neurotizismus ist ein Persönlichkeitsmerkmal. Neurotische Personen neigen dazu, sich häufiger Sorgen zu machen, und ihre Stimmung schwankt stärker. Sie zweifeln und denken darüber nach, was schief gehen könnte. Das damit verbundene Serotonin-Gen wird 5-HTTLPR genannt und existiert in den Varianten kurz oder lang. Jeder Mensch hat zwei Ausprägungsformen dieses Gens.

Neurotizismus-Gen ging mit sicherer Geldanlage einher

In der Studie zeigte sich, dass diejenigen, bei denen beide Formen des Gens kurz waren, neurotischer waren. Außerdem legten sie ihr Geld am häufigsten auf dem sicheren Konto an. Personen mit zwei kurzen Genen wählten 24 Prozent häufiger das Konto als Personen mit zwei langen Genen. Letztere wählten als bevorzugte Anlageform die riskanteren Aktien. Andere Faktoren wie Finanzwissen oder Einkommen erklärten diesen Unterschied nicht.

Kuhnen hatte bereits früher beobachtet, dass Träger der kurzen Ausprägung ängstlich sind, bevor sie eine Entscheidung treffen. Tritt ein negatives Ergebnis ein, reagieren sie aber genauso wie diejenigen mit langen Genausprägungen. Brian Knutson betont: „Keiner ist der Sklave seiner Gene. Wenn man versteht, wie sie das Verhalten beeinflussen, hat man die Möglichkeit, es zu ändern.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Camelia M. Kuhnen, Gregory R. Samanez-Larkin & Brian Knutson (2013) Serotonergic Genotypes, Neuroticism, and Financial Choices. PLoS ONE, 8 (1), e54632.

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