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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

28. August 2012

In deutschen Städten gibt’s Probleme bei der Mitarbeitergewinnung

Eine neue Studie des Beratungsunternehmens Aon Hewitt, bei der Risiken für den Personalbereich (People Risk Index) ermittelt wurden, zeigt: In deutschen Städten gibt’s Probleme bei der Mitarbeitergewinnung. Das liegt vor allem daran, dass zu wenig ins Bildungssystem investiert wird, Fachkräfte abwandern und die gesetzlichen Vorgaben ausufernd sind. Im globalen Vergleich liegen Berlin und Frankfurt im Mittelfeld, was das Risiko für die Mitarbeitergewinnung und -bindung angeht. Spitzenreiter sind New York, Toronto und Singapur.

Der People Risk Index

Der People Risk Index, auf Deutsch etwa Maßzahl für die Risiken im Personalbereich, steht für die Schwierigkeiten in einer Stadt, dort neue Mitarbeiter zu gewinnen und zu beschäftigen. In die Maßzahl fließen 30 Hürden ein, die sich aus der demografischen Entwicklung, der Aus- und Weiterbildung, der Talentförderung, der staatlichen Unterstützung und der Beschäftigungspraxis ergeben.

Beispiele für diese Risiken (oder Chancen) sind: Anzahl der erwerbsfähigen Personen, Ausbildungsdauer, Qualität der Führungskräfteweiterbildung, Kriminalität oder Sozialleistungen. Schneidet eine Stadt hinsichtlich dieser Punkte schlecht ab, hat sie ein hohes Risiko und steht im Gesamtranking weit unten. Der Index wird vom Beratungsunternehmens Aon Hewitt seit 2011 errechnet.

Ergebnisse

Die wenigsten Probleme, Mitarbeiter zu finden, haben Unternehmen in New York (Platz 1 mit 66 von 250 möglichen Risikopunkten), Toronto (Platz 2), Singapur (Platz 3), Montreal, London (beide Platz 4) und Los Angeles (Platz 6). Die europäischen Spitzenreiter sind London, Kopenhagen, Zürich, Stockholm und Amsterdam.

Probleme von mittlerem Umfang haben Unternehmen in den deutschen Städten Berlin (Platz 41 mit 99 Risikopunkten) und Frankfurt (Platz 44 mit 101 Risikopunkten). Das sind die einzigen deutschen Städte, die eingeschätzt wurden. Im europäischen Vergleich liegen Berlin und Frankfurt auf den Plätzen 13 und 14 von insgesamt 29 Städten.

Die meisten Probleme haben Unternehmen in Bagdad (Platz 129 mit 185 Risikopunkten), Sanaa (Jemen, Platz 130) und Damaskus (letzter Platz 131).

Warum liegen deutsche Städte wie Berlin und Frankfurt nur im Mittelfeld? Warum gibt’s bei Ihnen Probleme mit der Mitarbeitergewinnung und -bindung? Das hat aus Sicht der Studienleiter folgende Ursachen: 1) es wird zu wenig für das Bildungssystem ausgegeben, 2) zu viele Fachkräfte gehen ins Ausland, 3) es gibt strikte gesetzliche Vorgaben und 4) die Lohnkosten sind wenig veränderbar. Diese Risiken führten auch dazu, dass Berlin und Frankfurt gegenüber dem letzten Jahr, als beide noch auf Rang 40 lagen, zurückgefallen sind.

Dr. Wolf-Bertram von Bismarck von Aon Hewitt fordert daher, „Deutschland zu einem attraktiveren Standort für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu machen.“ Seiner Meinung nach sollte man sich hierzulande vor allem Gedanken darüber machen, wie man neue Fachkräfte gewinnen oder halten kann. Unternehmen in London oder New York engagierten sich dabei viel mehr als deutsche Firmen.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Aon Hewitt (Ed.). (2012). About the People Risk Index.

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