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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

13. März 2012

Burnout: Versachlichung gefordert

Seit vergangenem Jahr beherrscht das Thema Burnout die öffentliche Diskussion. Für die einen ist ein Burnout eine Modediagnose, für die anderen eine ernstzunehmende Erkrankung. In einem Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) klärt die Fachgesellschaft auf.

Warnung vor unkritischem Begriffsgebrauch

So warnt die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft vor einem unkritischen Gebrauch des Begriffs Burnout für quasi sämtliche psychischen Störungen, die im Zusammenhang mit einer Arbeitsbelastung stehen. Diese allumfassende Anwendung des Begriffs hat zwar zu einem offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen geführt. Betroffenen fällt es erkennbar leichter, ohne Scham über ihre psychischen Erkrankungen zu sprechen.

Aber oftmals wird Burnout mit der schweren und nicht selten lebensgefährlichen Krankheit der Depression gleichgestellt. Damit drohe eine besorgniserregende Unter- oder Fehlversorgung der Betroffenen.

Burnout ist keine medizinische Diagnose

Burnout ist – laut der Internationalen Klassifikation von Erkrankungen (ICD-10) – keine medizinische Diagnose. Auch in Zukunft wird Burnout bei der anstehenden Revision zur ICD-11 absehbar keine Krankheitsdiagnose sein. Burnout kommt lediglich im Anhang des ICD-10 vor, nämlich unter „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“.

Dennoch hat Burnout für Diagnostik und Therapie Bedeutung. Das Erleben von Burnout kann ein Risikozustand sein, der zu Erkrankungen wie Depression, Alkoholmissbrauch, Angststörungen, chronisches Schmerzsyndrom, Tinnitus, Bluthochdruck oder chronische Infektionskrankheiten führen kann. Andererseits kann das Erleben von Burnout auch Früh-Symptom oder Folge von Krankheiten wie beispielsweise Psychosen, Multiple Sklerose oder Tumorerkrankungen sein.

Nur durch eine gründliche medizinische Untersuchung kann eine zugrundeliegende Krankheit erfasst und gezielt behandelt werden. Für Burnout, ohne gleichzeitig bestehende Erkrankung, gibt es keine nach den Regeln der evidenzbasierten Medizin wirksam nachgewiesenen Therapien oder Prävention.

Psychisch gesunde Arbeitsplätze gefordert

Die DGPPN fordert mehr Verantwortung der Betriebe für „psychisch gesunde“ Arbeitsplätze. Psychische Belastungen am Arbeitsplatz müssen medizinischen Risiken von Lärm, Licht, Vibrationen oder Toxinen gleichgestellt sein.

Dies könnte verhindern, dass das sogenannte Burnout-Problem vornehmlich auf das Gesundheitssystem abgeschoben wird. Hier besteht in Deutschland erheblicher Nachholbedarf. In der medizinischen Forschung ist der Risikofaktor „psychisch ungesunder Arbeitsplatz“ bisher kaum untersucht.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

DGPPN (Hrsg.). (2012). Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zum Thema Burnout (PDF).

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