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Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie

3. November 2010

Auch ein Spitzengehalt macht nicht zufriedener

Das Gehalt ist die zentrale Größe im Anreizsystem eines Unternehmens. Die Logik dahinter: Wer mehr verdient, ist mit seiner Arbeit und mit seinem Gehalt zufriedener. Diese Denkweise haben Millionen von Angestellten verinnerlicht.

Auf die Frage, was die Lebensqualität am nachhaltigsten verbessern würde, antworten die meisten: mehr Geld verdienen. Danach müsste ein Rechtsanwalt mit Spitzenghalt mit seinem Job viel zufriedener sein als eine Tagesmutter, deren Jahreseinkommen nur wenig über der Armutsgrenze liegt. Stimmt das?

Anwalt und Nanny gleichauf

Es stimmt nicht, wie Timothy Judge und Kollegen in einem Beitrag zeigen, der gerade im Journal of Vocational Behavior veröffentlicht wurde. Sie werteten 86 Studien erneut aus, die bisher zum Zusammenhang zwischen Einkommen und Arbeitszufriedenheit veröffentlicht wurden.

Und sie fanden nur einen marginalen positiven Zusammenhang zwischen Jahresgehalt und Jobzufriedenheit. In Zahlen ausgedrückt: Ein Rechtsanwalt mit einem Jahreseinkommen von 148.000 US-Dollar ist mit seinem Job nicht zufriedener als eine Kinderfrau, die 23.000 US-Dollar im Jahr verdient. Selbst mit seinem Gehalt wird der Anwalt nur unwesentlich zufriedener sein als die Nanny.

Fragwürdiges Mantra der Leistungsgesellschaft

Dieses Ergebnis widerspricht damit allen Anreizsystemen und dem allgemeinen Maximierungsmantra der Leistungsgesellschaft: Verdiene mehr Geld und du bist glücklicher! Man wird es nicht durch ein höheres Einkommen.

Wirtschaftspsychologie aktuell

Und warum? Weil die Psyche ein Anpassungsweltmeister ist. Die Freude über mehr Geld ist spätestens nach zwei Monaten verflogen, weil der Organismus den Referenzpunkt der eigenen Zufriedenheit wieder erreicht hat.

Diese rasche Adaptation erklärt, warum man immer mehr haben will. Sie erklärt auch, weshalb die Lebenszufriedenheit in den Industrieländern in den letzten 50 Jahren nahezu konstant geblieben ist, obwohl sich das Einkommen verdreifacht hat.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Timothy A. Judge, Ronald F. Piccolo, Nathan P. Podsakoff, John C. Shawd & Bruce L. Riche (2010). The relationship between pay and job satisfaction: A meta-analysis of the literature  (Abstract). Journal of Vocational Behavior, 77, 157-167.

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