Wirtschaftspsychologie Aktuell - Aktuelle Ausgabe

Coaching

Mit Training und Wille die Persönlichkeit ändern

Redaktion

26.10.2015

Mit Training und Wille die Persönlichkeit ändern -
Mit Training und Wille die Persönlichkeit ändern -
Man kann seine Persönlichkeit nur ändern, wenn man es wirklich will. (Foto: Andrea Piacquardio/pexels.com)

Man kann seine Persönlichkeit ändern, aber nur durch ein Training mit klaren Vorsätzen und nur, wenn man es wirklich will. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der University of Illinois. Studenten, die geselliger, ordentlicher und ausgeglichener werden wollten, erreichten dies über einen Zeitraum von vier Monaten.

Unspezifisch, spezifisch

Nathan Hudson und Chris Fraley von der University of Illinois haben zwei Onlinetrainings zur Persönlichkeitsänderung durchgeführt. Beim unspezifischen Training sollten Studenten vier Monate lang einmal pro Woche „drei Wege auflisten, um sich selbst zu verändern“ und diese dann umsetzen (S. 493). Beim spezifischen Training mussten sich die Teilnehmer ebenso häufig „kleine Schritte“ zur Veränderung (z.B. „Ich rufe Andreas an und frage ihn, ob er Dienstag mit mittagessen kommt.“) und Wenn-dann-Absichten nach dem Muster „Wenn ich in die Situation X komme, dann werde ich Y tun“ (S. 497) überlegen (z.B. „Wenn ich mich gestresst fühle, rufe ich meine Mutter an und rede mit ihr darüber.“).

Kreuzchen für die Persönlichkeit

Beide Trainings wurden online durchgeführt. Auf einer personalisierten Webseite lasen die Teilnehmer die Anleitung und tippten ihre Wochenziele ein. Sie machten ihre Kreuzchen bei den fünf Persönlichkeitsmerkmalen Geselligkeit, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Ausgeglichenheit und Offenheit und gaben an, wie sehr sie sich diesbezüglich ändern wollten. Außerdem wurde erfasst, was sie wöchentlich taten, um anders zu werden. Zu beiden Trainings gab‘s jeweils eine Kontrollgruppe, in denen die Studenten nur über die eigene Persönlichkeit nachdachten, ohne sie ummodeln zu wollen.

Wirksame Mini-Absichten

Das unspezifische Training blieb wirkungslos. Drei unspezifische Ziele in den Computer einzutippen, brachte im Vergleich zur Kontrollgruppe nichts. Selbst die Änderungswilligen profitierten nicht davon. Jene, die verträglicher, gewissenhafter und ausgeglichener werden wollten, wurden vom Training sogar ausgebremst. Ihre entsprechenden Ausprägungen verringerten sich. 

Das spezifische Training wirkte. Kleine Schritte und Wenn-dann-Absichten vier Monate lang aufzuschreiben, wirkte im Vergleich zur Kontrollgruppe – aber nur bei jenen, die ihre Persönlichkeit in den Bereichen Geselligkeit, Gewissenhaftigkeit und Ausgeglichenheit ändern wollten. Sie wurden nach vier Monaten in der Tat geselliger, sorgfältiger und besser gelaunt. Konkretes Verhalten – z.B.: „In den letzten 24 Stunden habe ich viel geredet.“ – vermittelte dabei die Persönlichkeitsveränderungen von Monat zu Monat. 

Eigene Änderungsziele waren zentral. Wenn sich die Eigenschaften monatlich änderten, waren dabei vor allem die eigenen Änderungsziele entscheidend, weniger das Training. Stark ausgeprägte Wünsche, geselliger, verträglicher, gewissenhafter und ausgeglichener zu werden, führten häufig zu entsprechenden Änderungen. Einzig das Ziel, offener zu werden, schlug nicht durch.

Bescheidene Veränderungen

Hudson und Fraley fassen die Wirkung ihres Trainings mit den genauen Vorsätzen so zusammen (S. 503): „Diese Maßnahme half den Teilnehmern, die gewünschten Änderungen ihrer Persönlichkeit zu erreichen.“ Die Zuwächse waren aber nicht sehr groß, wie die Forscher zugeben: „Die Teilnehmer erlebten nur bescheidene Veränderungen ihrer Eigenschaften im Verlauf des Semesters.“ 

Persönlichkeit ist nicht in Stein gemeißelt. Wer wirklich will, kann sich durch simple Wenn-dann-Absichten ändern und umgänglicher, zuverlässiger oder zuversichtlicher werden. Man sollte aber nicht zu viel erwarten.

Literatur

Nathan W. Hudson & R. Chris Fraley. (2015). Volitional Personality Trait Change: Can People Choose to Change Their Personality Traits? [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, 109 (3), 490-507.