Leben

Masken erschweren es, Mimik zu lesen

Redaktion

10.06.2020

Masken zu tragen ist eine Hygienemaßnahme, es erschwert aber das Lesen von Mimik. (Foto: Anna Shvets/pexels.com)

Gesichtsmasken zu tragen, ist eine wesentliche Hygienemaßnahme, die verhindern soll, dass bestimmte Atemwegserkrankungen wie COVID-19 übertragen werden. „Obwohl immer mehr Europäerinnen und Europäer solche Masken akzeptieren, haben viele das Gefühl, dass die soziale Interaktion durch das Tragen einer Maske beeinträchtigt wird. Das stellt ein großes Hemmnis für das konsequente Tragen der Masken dar“, erläutert Wahrnehmungspsychologe Prof. Dr. Claus-Christian Carbon. Der Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre an der Universität Bamberg hat dazu eine experimentelle Studie durchgeführt.

Bewertung der emotionalen Ausdrücke verschiedener Gesichter

Claus-Christian Carbon testete systematisch, wie Gesichtsmasken die Lesbarkeit von Emotionen beeinflussen. An der Studie nahmen 41 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 18 und 87 Jahren teil. Sie bewerteten die emotionalen Ausdrücke von zwölf verschiedenen Gesichtern. Jedes Gesicht wurde zufällig mit sechs verschiedenen Ausdrücken dargestellt: wütend, angewidert, ängstlich, glücklich, neutral und traurig. Dabei waren die Gesichter vollständig sichtbar oder teilweise von einer Gesichtsmaske bedeckt. Insgesamt erhielt jede teilnehmende Person 144 Gesichtsstimuli. „Wenn Gesichter mit Masken bedeckt waren, wurde das emotionale Lesen der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer stark beeinträchtigt“, fasst Claus-Christian Carbon zusammen.

Glück, Trauer und Wut als neutral bewertet

Der Wissenschaftler erklärt: „Die Teilnehmenden erkannten Emotionen weniger genau und vertrauten ihrer eigenen Einschätzung seltener. Spannend in diesem Zusammenhang ist vor allem, dass es zu charakteristischen Fehlinterpretationen von einzelnen Emotionen kam.“ Beispielsweise schätzten Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen deutlich angewiderten Gesichtsausdruck mit Maske als wütend ein. Einige Emotionen, wie Glück, Trauer und Wut, bewerteten sie als neutral. „Der emotionale Zustand wurde also gar nicht mehr wahrgenommen“, so der Wahrnehmungspsychologe, der als Konsequenz empfiehlt: „Wir können die Unfähigkeit, Emotionen zu lesen, ausgleichen. Zum Beispiel können wir vermehrt Körpersprache, Gesten und mündliche Kommunikation einsetzen, um weiterhin effektiv sozial interagieren zu können.“

Literatur

Webseite der Universität Bamberg