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Personal

Digital Detox – Pause von der digitalen Arbeit

Stefanie Pöschel

20.11.2020

Digital Detox – Pause von der digitalen Arbeit -
Digital Detox – Pause von der digitalen Arbeit -
Pause von digitaler Arbeit ist wichtig, um bei der Arbeit kreativ und leistungsfähig zu sein. (Foto: Artem Beliaikin/pexels.com)

Verbringen Sie auch zu viel Zeit vor dem Bildschirm? Nicht nur das Privatleben, sondern auch der Beruf wird immer digitaler. Um nicht unter der Dauerverfügbarkeit zu leiden, sondern nach einem Arbeitsalltag und in Pausen richtig entspannen zu können, ist es wichtig, zwischendurch mal abzuschalten. Wir geben Ihnen Tipps, wie Digital Detox funktionieren kann.

Dank des technologischen Fortschritts und der Digitalisierung des Alltags ist es möglich, ständig verfügbar zu sein. Seit Covid-19 arbeiten zudem immer mehr Menschen komplett von zu Hause und führen digitale Meetings vom heimatlichen Arbeitszimmer aus. Aber auch für Freunde und Familie sind viele Menschen in ihrer Freizeit digital erreichbar.

Qualität der eigenen Arbeit leidet

Auf den ersten Blick erscheint es so, dass wir durch diese erlangte Flexibilität und Mobilität an Lebensqualität dazu gewonnen haben. Denn wo wir früher am Arbeitsplatz bleiben mussten, bis alles erledigt war, können wir heute nach Hause gehen und die offen gebliebenen Dinge auch im Homeoffice erledigen.

Ein etwas tieferer Blick zeigt jedoch, dass wir dadurch eigentlich nicht wirklich an Zeit dazugewinnen. Denn obwohl wir größere Flexibilität genießen und einfacher zwischen verschiedenen Dingen jonglieren können, schränken wir doch die Qualität des Erlebten dadurch ein. Indem wir ständig unsere Aufmerksamkeit aufteilen und selten wirklich nur bei einer Sache sind, kommen wir selbst nie wirklich zur Ruhe. Dadurch leidet mittel- bis langfristig nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch die Qualität unserer Arbeit.

Viele greifen zudem auch zum Smartphone, sobald sich das Gefühl des Nichtstuns einstellt. Dabei wäre es eben diese Langeweile, die dem kreativen Prozess in unserem Hirn vorangeht. Ohne sie kommt Kreativität nur schwer ins Rollen und entsprechend „flach” fallen zuweilen unsere Ideen aus. Ganz zu schweigen davon, dass es gesünder für uns ist, wenn wir unseren Körper und Geist auch mal runterfahren und in die wirkliche Entspannung kommen lassen.

Nur, wie können wir es schaffen, Pause von der digitalen Arbeit zu machen? Hier kommen 5 Tipps, die eine digitale Entgiftungskur unterstützen können:

1. Das eigene Verhalten messen

Zunächst gilt es, die Aufmerksamkeit auf das Problemverhalten zu lenken. Nutzt man häufig das Smartphone, kann man zum Beispiel Apps zum Tracken des eigenen Online-Verhaltens nutzen. Arbeitet man zu Hause am Laptop, kann es sinnvoll sein, dies ebenfalls zu erfassen. Schwarz auf weiß zu sehen, wie viel Zeit man am Bildschirm verbringt, kann sehr heilsam sein. Die Apps auf dem Smartphone kann man zudem dazu nutzen, die Zeit für die Nutzung einer App zu limitiert.

2. Benachrichtigungen ausschalten

Im zweiten Schritt kann es schon hilfreich sein, Benachrichtigungen auszuschalten. Denn der Eingang einer Benachrichtigung ist für viele von uns ein Trigger. Wenn das Smartphone oder der Laptop nicht ständig blinkt, sinkt auch die Versuchung, ständig nachzuschauen. Dies gilt sowohl für das berufliche Mailpostfach als auch für das private Smartphone in der Pause!

3. Pausen achtsam verbringen

In der Mittagspause ist der Griff zum Smartphone schnell getan: Nur mal kurz die E-Mails checken, schnell noch die eine oder andere Nachricht beantworten – und schon sind wir wieder abgelenkt. Das ist alles andere als erholsam! Stattdessen empfiehlt es sich, zwischendurch Digital Detox zu betreiben. Dies kann mit folgenden zwei Achtsamkeitsübungen gelingen:

  • Der 3-Minuten Taucher: Tauchen Sie für 3 Minuten in den jetzigen Moment ein. Das funktioniert so: Unterbrechen Sie Ihre derzeitige Tätigkeit und fokussieren sich vollkommen auf das Hier und Jetzt. Aktivieren Sie dabei all Ihre Sinne. Wo sind Sie? Was hören Sie? Was sehen Sie? Wie riecht es in dem Raum? Fokussieren Sie sich im nächsten Schritt auf die eigenen Gedanken. Woran denken Sie gerade? Bewerten und ändern Sie diese nicht, beobachten Sie sie nur und nehmen sie bewusst wahr. Das Ganze soll nicht länger als 3 Minuten dauern, denn länger taucht man schließlich auch nicht.

  • Der Atem-Anker: Die Atmung ist sehr mit unserem Stresslevel und Gemütszustand verbunden. Lernen wir bewusst zu atmen, können wir unseren Stress oder unsere Sorgen merklich verringern. Das geht so: Sitzen Sie mit aufrechtem Rücken auf einem Stuhl und entspannen dabei bewusst die Schultern. Schließen Sie die Augen und legen die Hände auf den Bauch. Nun richten Sie Ihre volle Aufmerksamkeit auf Ihre Atmung. Dabei atmen Sie tief durch die Nase in den Bauch ein und fühlen dabei wie sich der Bauch weitet und sich die Luft im ganzen Körper ausbreitet. Halten Sie die Luft kurz an und atmen anschließend bewusst aus. Dabei spüren Sie, wie die Luft wieder aus Ihrem Bauch herausströmt, sich die Bauchdecke senkt und die Luft durch die Nase wieder nach außen fließt. Wiederholen Sie diese Atemübung fünf Mal.

 4. Planen Sie Ihre Kommunikation

Gerade bei der Arbeit im Homeoffice ist es wichtig, erreichbar zu sein. Dennoch muss man auch mal abzuschalten. Teilen Sie von vornherein mit, zu welchen Zeiten Sie gut zu erreichen sind – und wann auch nicht. Vergessen Sie nicht, eine automatisierte E-Mail einzurichten, in denen Geschäftspartner, aber auch Kolleginnen und Kollegen erfahren, dass Sie nicht erreichbar sind und wann Sie sich zurückmelden.

5. 24h-Bildschirmfrei

Vielleicht bekommen Sie Lust auf mehr und möchten mal für einen ganzen Tag abschalten? Wenn Sie Lust auf einen 24-Stunden-Detox haben, planen Sie einen Tag ein, an dem Sie frei haben. Dann gilt es, während 24 Stunden keinen Bildschirm zu betrachten, also weder das Smartphone noch das Tablet noch den Computer und wohlmöglich auch nicht den Fernseher zu benutzen. Ein kleiner Tipp: Idealerweise macht gleich der gesamte Haushalt mit, dann ist man nicht alleine, kann sich gegenseitig motivieren und zur Freude aller auch beschäftigen. Sie werden überrascht sein, was alles entstehen kann, wenn Sie nicht durch den Bildschirm abgelenkt oder ständig erreichbar sind.