Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Lernen von Jutta Heckhausen: Dynamische Anpassung von Berufswünschen

19. März 2009

Jutta Heckhausen, Entwicklungspsychologin an der University of Irvine, Kalifornien, ist in den 1990er Jahren vor allem durch ihre „life-span theory of control“ bekannt geworden. Stationen führten sie zuvor an die University of Strathclyde, Glasgow und an das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Seit Ende der 1990er Jahre beschäftigt sie sich immer wieder mit Anpassungsprozessen bei der beruflichen Entwicklung.

Berufswünsche in Übergangsphasen

In der aktuellen Ausgabe des Journal of Vocational Behavior stellt sie zusammen mit ihren Kollegen Martin Tomasik, Sam Hardy und Claudia Haase dar, wie sich die Berufswünsche von Schülern beim Übergang von der Realschule zur Berufsausbildung ändern und ihrerseits die Entwicklungsdynamik beeinflussen.

Primäre und sekundäre Kontrollstrategien

Dazu analysierten sie die Daten einer Längsschnittstudie von insgesamt 414 Schülern von Berliner Realschulen der 9. und 10. Klasse bis zum Abschluss ihrer Berufsausbildung. Zu mehreren Zeitpunkten wurden ihre Berufswünsche und ihre beruflichen Entwicklungsstrategien gemessen. Dies können zum einen primäre Kontrollstrategien sein, wie z.B. die eigenen Ressourcen, Zeit und Mühe für die Bewerbung oder die Berufswahl zu investieren. Oder auch sekundäre Kontrollstrategien, indem nicht direkt das Ziel selbst angesteuert wird, sondern man sich dazu vielmehr motiviert.

Zeit und Mühe zu investieren (primäre Kontrolle) lohnt sich

Im Ergebnis zeigt sich erwartungsgemäß, dass diejenigen Schülerinnen und Schüler, die eine ausgeprägte primäre Kontrolle zeigen und aktiv für ihre Ziele arbeiten, die besten Erfolgsaussichten haben, später einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Dabei wird auch deutlich, dass bei ihnen Berufswunsch und schulische Leistung besser übereinstimmen und der sozioökonomischen Status ihres primären Berufswunschs zunächst vergleichsweise hoch ist (aber nicht zu hoch, was z.B. bei Arzt, Richter etc. der Fall wäre).

Nach unten korrigierte Berufswünsche

Der Berufswunsch wird jedoch entsprechend den Erfahrungen, die die Schüler auf dem Arbeitsmarkt machen, immer mehr in Richtung eines niedrigen Status korrigiert. Die Autoren nennen das „ealaborated and dynamic adjustment of aspirations“ (S. 45) und belegen damit, dass solche dynamischen Zielwert-Anpassungen erfolgreicher sind als wenn man starr ein fest definiertes Ziel verfolgt.

Hoch starten, hoch enden

Dieses Modell – möglichst hoher Einstiegsberufswunsch und schrittweise Korrektur nach unten – führt letztlich zu einer Erwartungs-x-Wert-Optimierung: Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, und auch der Wert, später in einem möglichst hochdotierten Job zu landen. Die Autoren regen eine Berufsberatung an, die kombinierte Handlungsempfehlungen entsprechend dem Status und der Zugänglichkeit zu einem Beruf gibt – derzeit gibt es keinen Beratungsansatz, der dieses Konzept verfolgt.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Martin Tomasik, Sam Hardy, Claudia Haase, Jutta Heckhausen (2009). Adaptive adjustment of vocational aspirations among German youths during the transition from school to work. Journal of Vocational Behavior, 74, 38-46. Zum Beitrag.

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