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Lernen von Anne-Kathrin Konze

Handlungsspielräume nicht generell förderlich

3. April 2018

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.In der arbeitspsychologischen Forschung ging man bisher davon aus, dass Handlungsspielräume generell förderlich für das psychische Wohlergehen der Mitarbeiter sind. Diese Sicht muss nach jüngsten Erkenntnissen von Psychologen des Leibnitz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund relativiert werden.

Wechselwirkung von Handlungsspielräumen und Arbeitsanforderungen

Die Möglichkeit, eigenständig entscheiden zu können, wann und wie eine vereinbarte Aufgabe bearbeitet wird, galt lange als förderlich. Kaum untersucht war bisher jedoch, ob Handlungsspielräume bei unterschiedlichen Formen von Arbeitsanforderungen ähnlich positive Effekte aufweisen. PsychologInnen des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) haben jetzt die Wechselwirkung von Handlungsspielräumen und verschiedenen Arbeitsanforderungen untersucht.

Mitarbeiter unter Zeitdruck profitieren von Handlungsspielräumen

Wer bei der Arbeit unter starkem Zeitdruck steht, so ihre Erkenntnis, profitiert davon, wenn er frei über die Arbeitseinteilung entscheiden kann. Handlungsspielräume im Job können aber auch schaden, wie die Studie der Dortmunder Forscher zeigt. Die Wirkung hängt davon ab, was vorrangig verlangt wird. Ist der Job eher durch Emotionsarbeit statt Zeitdruck gekennzeichnet, können Mitarbeiter sogar von geringeren Handlungsspielräumen profitieren. In emotional belastenden Berufen, in denen bestimmte Gefühle nach außen gezeigt werden sollen, sind der Studie zufolge dagegen konkrete Richtlinien hilfreicher als Freiheiten.

Handlungsspielraum nicht für alle Berufe förderlich

Für die Studie haben die Forscher Daten von rund 140 Beschäftigten eines Versorgungsunternehmens analysiert. Die Beschäftigten wurden zweimal im Abstand eines halben Jahres befragt und haben Fragen zu ihrer Arbeitssituation in Form von Online-Fragebögen beantwortet. Sie mussten angeben, wie hoch sie ihre Handlungsspielräume am Arbeitsplatz einschätzen, wie erschöpft sie sich fühlen, ob sie oft unter Zeitdruck arbeiten und ob sie ihre Emotionen regulieren müssen. „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass ein hohes Maß an Handlungsspielräumen während der Arbeit förderlich für die Gesundheit sein kann. Das gilt aber nicht für alle Berufe. Denn teilweise sein eigener Chef zu sein, kann uns auch schaden,“ sagt IfADo-Studienautorin Anne-Kathrin Konze. Während sich Personen mit hohem Arbeitspensum und vielen Abgabefristen weniger erschöpft fühlten, wenn sie die eigenen Arbeitsabläufe selbst bestimmen konnten, belasteten große Handlungsspielräume jene Beschäftigten, die bei der Arbeit ihre tatsächlichen Gefühlen anpassen müssen.

Emotionsarbeit und Handlungsspielraum zusammen überfordern

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Die Psychologin erklärt das Ergebnis so: „Wenn uns Freiheiten eingeräumt werden, sind wir selbst dafür verantwortlich, den Arbeitstag so zu strukturieren, dass wir vereinbarte Aufgaben fristgerecht erledigen. Das erfordert ein hohes Maß an Selbstkontrolle – ähnlich wie beim Umgang mit Kunden, bei dem wir unsere Gefühle im Griff haben müssen. Beides zusammen kann schnell zu viel werden“, so Anne-Kathrin Konze.

In der Praxis sollten Arbeitgeber zunächst klären, was vom jeweiligen Beschäftigten schwerpunktmäßig verlangt wird. Ist die vorrangige Arbeitsanforderung ermittelt, kann entschieden werden, wie selbstständig jemand arbeiten sollte.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Konze, A-K., Rivkin, W. & Schmidt, K-H. (2017). Is Job Control a Double-Edged Sword? A Cross-Lagged Panel Study on the Interplay of Quantitative Workload, Emotional Dissonance, and Job Control on Emotional Exhaustion. International Journal of Environmental Research and Public Health, 14, 1608. doi: 10.3390/ijerph14121608

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