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Lernen von Christof Kuhbandner

Gedächtnis speichert langfristig weitaus mehr als bislang vermutet

31. Januar 2018

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Um im Langzeitgedächtnis von Menschen gespeichert zu werden, bedarf es der nennenswerten Aufmerksamkeit des Einzelnen für die jeweilige Information. Jedenfalls wurde das, gestützt durch verschiedene Studien, lange Zeit vermutet. Ein Team um Prof. Dr. Christof Kuhbandner (Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie an der Universität Regensburg) konnte nun im Rahmen eines Experiments nachweisen, dass diese Vermutung falsch ist.

Viele Studienteilnehmer waren sich der eigenen Erinnerung nicht bewusst

Menschen scheinen automatisch in sehr schneller Rate detaillierte Kopien der einströmenden Informationen langfristig zu speichern – unabhängig von der aktuellen Aufmerksamkeit, ohne die Absicht etwas zu speichern und ohne sich dessen bewusst zu sein. Ein neuer, sensiblerer Gedächtnis-Test hat zu dieser Erkenntnis geführt. Ein Artikel über das Experiment ist vor kurzem in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“ erschienen.

Besonders auffällig war, dass sich die Versuchspersonen in 77 Prozent der Fälle direkt nach dem Test der eigenen Erinnerung nicht bewusst waren und angaben, sie würden die meiste Zeit raten. Nach 24 Stunden meinten sie das sogar in 95 Prozent der Fälle. Tatsächlich aber konnten sie erstaunlich viele der zuvor gezeigten Objekte richtig identifizieren. Beim Test direkt danach waren das 48 Prozent und beim Test nach 24 Stunden 21 Prozent; an jeweils die Hälfte der Objekte erinnerten sie sich sogar dann richtig, wenn für eine korrekte Identifikation hohes visuelles Detailwissen notwendig war. Die Befunde demonstrieren, dass Menschen fast jeden einzelnen Wahrnehmungsmoment abspeichern, selbst dann, wenn Objekte nicht bewusst wahrgenommen wurden und der Betrachter auch nicht die Absicht hat, sie sich zu merken.

Sensiblerer Versuchsaufbau

Diese neue Erkenntnis verdanken die Forscher dem neuen, sensibleren Versuchsaufbau, bei dem die Probanden zur Wahl zwischen zwei Alternativen gezwungen waren. Den Teilnehmern am Experiment wurden auf einem Bildschirm in schneller Abfolge insgesamt 128 Bilder von Alltagsobjekten gezeigt. Die einzelnen Bilder waren jeweils nur für 500 Millisekunden zu sehen. Über jedes Objekt wurde ein davon unabhängiges Wort eingeblendet. Die Versuchspersonen hatten die Aufgabe, die Bilder zu ignorieren, auf die Wörter zu achten und bei einer Wortwiederholung einen Knopf zu drücken. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Versuchspersonen nicht, dass danach ihre Erinnerungen getestet werden würden. Um die Erinnerungen zu testen, wurden ihnen immer zwei Bilder präsentiert. Bei dem einen handelte es sich um ein vorher gezeigtes Objekt (z.B. eine Sonnenbrille), beim anderen um ein vorher nicht gezeigtes Objekt, das zum Teil dem gezeigten Objekt sehr ähnlich war). Die Versuchspersonen sollten angeben, welches der beiden Objekte sie vorher gesehen hatten. Wenn sie meinten, sich nicht erinnern zu können, sollten sie raten. Um die Langfristigkeit der Speicherung zu messen, wurde die Hälfte der Objekte direkt nach der Wahrnehmungsaufgabe getestet, die andere Hälfte nach 24 Stunden.

Konsequenzen für Anwendungsbereiche

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Die Beobachtungen der Regensburger Forscher dürften weitreichende Konsequenzen für aktuelle Modellvorstellungen zum menschlichen Gedächtnis haben, da Menschen weitaus mehr Informationen zu speichern scheinen, als bisher angenommen. Die Befunde könnten auch bedeutende Konsequenzen für Anwendungsbereiche, wie beispielsweise die Befragung von Zeugen haben, weil visuelle Erinnerungen an vergangene Ereignisse weitaus detaillierter zu sein scheinen als bisher vermutet.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Kuhbandner, C., Rosas-Corona, E.A. & Spachtholz, P. (2017). High-Fidelity Visual Long-Term Memory within an Unattended Blink of an Eye. Frontiers in Psychology, 8 (1859). doi: 10.3389/fpsyg.2017.01859.

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