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Lernen von Johannes Wendsche

Abschalten und sich wohler fühlen

1. Februar 2017

Eine neue Studie zeigt, dass Abschalten von der Arbeit wichtig ist, um sich am Feierabend zu erholen. Wer dann nicht mehr an den Job denkt, hat weniger körperliche Beschwerden und fühlt sich wohler. Der Arbeitsdruck erschwert das Abschalten, ein gutes Miteinander im Team fördert es. Wenn man partout nicht abschalten kann, sollte nicht gegrübelt, sondern positiv gedacht werden.

Gedankenleere am Feierabend

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.In einer Metaanalyse haben Johannes Wendsche und Andrea Lohmann-Haislah von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin untersucht, mit welchen Größen das Abschalten von der Arbeit zusammenhängt. In der Januarausgabe der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology finden sich die Ergebnisse. Die Wissenschaftler fassten rechnerisch 86 Studien mit insgesamt 38.124 Studienteilnehmern zusammen. Die meisten wurden zwischen 2013 und 2015 veröffentlicht. Grundlage war das Konzept „Abschalten von der Arbeit (psychological detachment from work)“, das von der Arbeitspsychologin Sabine Sonnentag eingeführt wurde. Wer abschaltet, denkt in seiner Freizeit nicht mehr an die Arbeit, grübelt nicht über jobbezogene Probleme und erledigt nichts fürs Büro. Entsprechende Aussagen aus ihrem Fragebogen zur Erholungserfahrung lauten: „In meiner Freizeit denke ich überhaupt nicht an die Arbeit.“ Oder: „Am Feierabend vergesse ich die Arbeit.“ Die Forscher untersuchten, wie das Abschalten mit Faktoren zusammenhing, die ihm folgten (Gesundheit, Wohlbefinden, Motivation und Leistung) oder vorausgingen (Anforderungen, Ressourcen, Arbeiten in der Freizeit und Persönlichkeit).

Mehr Wohlbefinden

Gesundheit und Arbeitsleistung verbesserten sich. Abschalten ging mit körperlicher Gesundheit einher. Wer gedanklich gut von der Arbeit abschalten konnte, klagte über weniger Burnousymptome wie Erschöpfung oder Desinteresse. Außerdem lagen dann auch weniger körperliche Beschwerden vor, etwa Kopf- oder Magenschmerzen. Jene ohne Gedanken an die Arbeit schliefen besser und länger. Auch die seelische Gesundheit profitierte. Wer zum Feierabend nicht über die Arbeit grübelte, war mit seinem Leben zufriedener, seltener müde, hatte eine bessere Stimmung, fühlte sich insgesamt wohler und erholter. Außerdem waren jene, die abschalten konnten, bei der Arbeit leistungsfähiger. Abschalten hing jedoch nicht mit der Arbeitsmotivation zusammen und machte wider Erwarten etwas weniger kreativ.

Hilfreiche Unterstützung

Anforderungen erschwerten, Ressourcen erleichterten das Abschalten. Hohe Arbeitsanforderungen wie Arbeitsdruck und -menge, Auseinandersetzungen mit Kollegen, Emotionsarbeit (z.B. häufig lächeln müssen), ausufernde Arbeitszeiten und Rollenkonflikte machten es schwerer, dass man abschalten konnte (je weiter vorn in dieser Aufzählung, desto größer der negative Zusammenhang mit dem Abschalten). Ressourcen im Job – die Arbeit selbst bestimmen können und Unterstützung durch die Kollegen – erleichterten es, am Abend nicht an die Arbeit zu denken. Dementsprechend gelassener waren auch jene, die keine Arbeit mit nach Hause nahmen und die keinen Hang zum Neurotizismus hatten, also nicht ständig negativ dachten oder sich sorgten.

Grübeln verbannt

Größere Zusammenhänge gab es ohne Grübeln. Schließlich suchten Johannes Wendsche und Andrea Lohmann-Haislah nach Faktoren, die die Stärke der Zusammenhänge beeinflussten. Dabei zeigten sich teilweise größere Effekte, wenn Abschalten bedeutete, nicht negativ über die Arbeit zu denken („Ich denke nicht sorgenvoll oder problembezogen an die Arbeit.“), als wenn damit nur neutrales Nichtdenken gemeint war („Ich denke nicht an die Arbeit.“). Wer dieses Negativdenken vermied, fühlte sich besser und litt weniger unter den Arbeitsanforderungen als jemand, der ohne emotionale Tönung entspannte. Mit anderen Worten: Mitarbeiter, die nicht abschalten konnten, litten stärker darunter, wenn sie dabei an Probleme oder Schwierigkeiten bei der Arbeit dachten.

An nichts oder positiv denken

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Die Autoren fassen zusammen: „Abschalten hing durchschnittlich am stärksten mit der Müdigkeit, der Erschöpfung, dem kurz- und langfristigen Wohlbefinden sowie mit dem Schlaf von Mitarbeitern zusammen. Wir fanden außerdem einen positiven Zusammenhang zwischen dem Abschalten und der selbstberichteten Erholung. Diese Ergebnisse stützen die Ansicht, dass das Abschalten von der Arbeit ein gutes Kennzeichen dafür ist, ob man sich in der Freizeit von der Arbeit erholt.“ Arbeitgeber und Arbeitnehmer können Folgendes tun, um nach Dienstschluss das Abschalten zu erleichtern:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Johannes Wendsche & Andrea Lohmann-Haislah (Federal Institute for Occupational Safety and Health). (2017). A Meta-Analysis on Antecedents and Outcomes of Detachment from Work. Frontiers in Psychology, January 2017, 7, 2072.

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