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Lernen von Robert Lent

Den Berufsweg managen

19. Januar 2017

Um seinen Berufsweg zu managen, sind Persönlichkeit, Selbstwirksamkeit, Erwartungen und Ziele entscheidend. Sie bewirken, dass man sich häufiger bewirbt und trotz Absagen nicht aufgibt. Das konnten US-amerikanische Psychologen in zwei Studien mit Arbeitslosen und Studenten bestätigen.

Jobsuche: kann ich

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Was hilft dabei, den eigenen Berufsweg zu managen? Laut dem „Modell des Karriere-Selbstmanagements“ von Robert Lent, der an der University of Maryland Beratungspsychologie lehrt, vor allem drei Punkte:

  1. Rahmenbedingungen. Eine gewissenhafte, positiv gestimmte Persönlichkeit und Unterstützung durch Freunde oder Verwandte.
  2. Selbstwirksamkeit. Das ist die Überzeugung, dass man selbst etwas gut kann. Eng damit verbunden sind positive Erwartungen. Robert Lent meint, dass Selbstwirksamkeit und Erwartungen die entscheidende Verbindung zwischen Rahmenbedingungen und Handeln sind.
  3. Handeln. Dazu zählen Ziele oder Absichten, die der Handlung unmittelbar vorausgehen und die Handlung selbst – etwa sich bewerben, ein Vorstellungsgespräch führen, übers Gehalt verhandeln, Konflikte lösen. Am Ende stehen Einstellung oder berufliche Veränderung.

In zwei Studien haben Robert Lent und seine Forscherkollegen Robert Lim und Lee Penn dieses Modell nun getestet, nachzulesen im Journal of Counseling Psychology. An der ersten Studie nahmen 243 Arbeitslose teil, die in einem Onlinefragebogen über Persönlichkeit, Unterstützung, Selbstwirksamkeit, Erwartungen und konkrete Ziele zur Jobsuche berichteten. An der zweiten Studie beteiligten sich 240 Studenten. Sie füllten den Fragebogen zweimal aus, drei Monate und kurz vor ihrem Studienabschluss. Zum letzten Zeitpunkt wurde abgefragt, was sie zur Jobsuche konkret unternommen hatten.

Zuversichtlicher, zielstrebiger

Persönlichkeit und Freunde unterstützten. Wer gewissenhaft, planvoll und akribisch war, ging zuversichtlicher an seine Jobsuche heran. Gleiches galt für jene, die bei Nahestehenden Hilfe suchten und im Fragebogen ankreuzten: „Wenn ich nach dem Vorstellungsgespräch abgelehnt wurde, versuchte ich, positive Unterstützung zu bekommen um weiterzumachen.“

Selbstwirksamkeit und Erwartungen waren zentral. Arbeitslose und Studenten mit ausgeprägter Selbstwirksamkeit zur Jobsuche („Ich bin mir sicher, dass ich Bewerbungsunterlagen so erstellen kann, damit ich eingeladen werde.“) und mit positiven Erwartungen („Wenn ich die nächsten drei Monate aktiv suche, werde ich mich danach gut fühlen.“) hatten genauere Ziele und setzten diese auch besser um. Selbstwirksamkeit und Erwartung waren das Bindeglied zwischen Persönlichkeit und Handeln. Außerdem half eine positive Kontrollüberzeugung, also eine allgemeine Auffassung, Dinge regeln zu können („Ich kann das Ergebnis meiner Jobsuche beeinflussen.“).

Auf Ziele und Handeln kam es an. Persönlichkeit und Selbstwirksamkeit bestimmten die Ziele, etwa „meine Bewerbung potenziellen Arbeitgebern zuzusenden“. Bei den Studenten zeigte sich, dass diese Ziele über drei Monate hinweg wirklich Handlungen anstießen. Zielstrebige hatten schon vor ihrem Examen Bewerbungen verschickt oder mit einem Coach ihr genaues Interessensprofil analysiert.

Jobsuchende unterstützen

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Die Forscher schlussfolgern, dass „Gewissenhaftigkeit, soziale Unterstützung und Kontrollüberzeugung mit Selbstwirksamkeit verbunden waren, Erwartungen von der Selbstwirksamkeit vorhergesagt wurden und eine größere Selbstwirksamkeit und positivere Ergebniserwartungen zu stärkeren Absichten führten, sich einen Job zu suchen.“

Robert Lent und seine Kollegen empfehlen, bei den Rahmenbedingungen anzusetzen, wenn man Jobsuchenden helfen will, d.h. sie zu unterstützen und zur Gewissenhaftigkeit anzuregen. In Workshops lernen sie dann, wie andere ihnen helfen und man auf Ausdruck und Rechtschreibung im Bewerbungsschreiben achtet. Außerdem, dass die Jobsuche ein „Mengengeschäft“ ist: Je mehr man tut, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Zusage. Solche Aktivitäten stärken automatisch die Selbstwirksamkeit, also die Überzeugung, dass man etwas gut kann. Sie ist die Batterie, mit der man Durststrecken beim Bewerben übersteht.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Robert H. Lim, Robert W. Lent & Lee T. Penn (University of Maryland, College Park). (2016). Prediction of Job Search Intentions and Behaviors: Testing the Social Cognitive Model of Career Self-Management [Abstract]. Journal of Counseling Psychology, 63 (5), 594-603.

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