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Lernen von Spencer Harrison

Kreative verbringen weniger Zeit mit ihrem Partner

18. Januar 2017

Angestellte, die mit kreativem Suchen beschäftigt sind – Probleme einkreisen, Informationen sammeln, Ideen suchen –, verbringen am Abend weniger Zeit mit ihrem Lebenspartner. Wer neue Ideen lediglich prüft, kommt hingegen mit seiner privaten Zeit gut hin, so das Ergebnis einer neuen Befragung.

Kreatives Suchen oder Prüfen

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Spencer Harrison vom Boston College und David Wagner von der University of Oregon haben 108 Angestellte und ihre Lebenspartner zu kreativem Arbeiten und ihrer gemeinsam verbrachten Zeit befragt. Im Academy of Management Journal berichten die Forscher darüber.

Die Beschäftigten gaben an, ob sie während ihrer Arbeit eher nach neuen Ideen suchten oder diese prüften. Vor dem Zubettgehen kreuzten sie und ihre Partner an, wie viel Zeit sie am Abend miteinander verbrachten. Die Ergebnisse:

Zeitfresser Kreativität

Kreative Suche verkürzte die gemeinsame Zeit. Je mehr jemand im Büro nach neuen Ideen, der Ursache für Probleme oder nach Informationen suchte (z.B. „Ich habe versucht, das Problem zu verstehen.“ Oder: „Ich habe nach Lösungen aus unterschiedlichsten Bereichen gesucht.“), desto weniger Zeit verbrachte er am Abend mit seinem Partner.

Kreative Prüfung verlängerte das Miteinander. Wer eher Ideen auf ihre Praxistauglichkeit hin untersuchte („Ich habe meine Ideen getestet, indem ich sie meinen Kollegen erklärte.“) und weniger nach neuen fahndete, widmete seinem Lebenspartner nach der Arbeit mehr Zeit.

Offenheit vermittelte

Der Effekt zeigte sich vor allem bei Erfahrungsoffenen. Die kreative Tätigkeit schlug besonders bei jenen durch, die offen für vielfältige Erfahrungen waren und gerne nachdachten. Ihre gemeinsame Zeit mit dem Partner verkürzte sich besonders deutlich, wenn sie auf Ideensuche waren, und verlängerte sich spürbar, wenn Ideen geprüft wurden. Wenig Erfahrungsoffene ließen sich nicht so augenfällig von ihrem schöpferischen Tun mitreißen. Ihre Partner beklagten sich seltener über Abwesenheit.

Auf Kosten der Zweisamkeit

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Ideensuche verschlingt also Zeit, während Ideenprüfung sie freigibt. Die Forscher erklären das damit, dass die Suche zeitaufwendige kognitive Ressourcen verbraucht, die dem Partner abends entzogen werden. Prüfen können hingegen auch Denkfaule, die dann mehr Zeit haben. Die Forscher resümieren: „Die Vorteile, die kreative Problemlösungen bei der Arbeit mit sich bringen, rauben Ehepartnern die Ressourcen, die sie brauchen, um abends ihre Probleme zu Hause zu lösen.“ Kreativität kann also auch auf Kosten der Zweisamkeit gehen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Spencer H. Harrison (Boston College) & David T. Wagner (University of Oregon). (2016). Spilling Outside the Box: The Effects of Individuals’ Creative Behaviors at Work on Time Spent with their Spouses at Home [Abstract]. Academy of Management Journal, 59 (3), 841-859.

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