Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Lernen von David Horstmann

Gesunde Führung mindert Beschwerden

30. November 2016

Wenn sich Chefs um die Gesundheit kümmern und dafür selbst Vorbild sind, haben Mitarbeiter weniger körperliche Beschwerden. Außerdem fühlen sie sich dann stärker ans Unternehmen gebunden. Diese deutliche und umfassende Wirkung gesunder Führung konnten Lüneburger Forscher jetzt in mehreren Pflegeeinrichtungen nachweisen.

861 Pflegekräfte befragt

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.David Horstmann und Sabine Remdisch von der Leuphana Universät Lüneburg haben untersucht, wie gesunde Führung wirkt. In der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie berichten sie darüber. Sie legten 861 Mitarbeitern von 28 Altenpflegeeinrichtungen einen Fragebogen vor. Darin sollten sie angeben, ob ihrem Chef die Gesundheit wichtig war, welche Beschwerden sie selbst hatten, ob es soziale Belastungen und Ressourcen gab und wie sehr sie sich der Firma zugehörig fühlten. Die beiden Hauptergebnisse:

Weniger Kopfschmerzen, mehr Motivation

Gesunde Führung wirkte. Ein Vorgesetzter führte gesundheitsförderlich, wenn sie oder er 1) merkte, wenn ein Mitarbeiter gesund oder krank wirkte, 2) sich für die Gesundheit der Angestellten verantwortlich fühlte, 3) sich an Vorschriften und Gesundheitsvorsorge hielt und 4) in puncto Gesundheit ein gutes Vorbild war. Traf das zu, hatten die Pflegekräfte weniger körperliche und psychische Beschwerden (z.B. seltener Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung) und fühlten sich stärker ans Unternehmen gebunden („Ich wäre sehr froh, mein weiteres Arbeitsleben in dieser Einrichtung verbringen zu können.“).

Treue zum Arbeitgeber

Das Miteinander erklärte die Wirkung. Spannungen und Konflikte, also die sozialen Belastungen, erklärten die Wirkung auf die Beschwerden. Lag dem Chef die Gesundheit am Herzen, gab es weniger Reibereien und infolge dessen weniger Gesundheitsbeschwerden. Soziale Ressourcen („Ich kann mich auf meine Arbeitskollegen verlassen, wenn bei der Arbeit Probleme auftauchen.“) vermittelten die Wirkung auf die Unternehmensbindung. Bei gesundheitsförderlicher Führung nahmen die Mitarbeiter sich gegenseitig als rücksichtsvoller wahr. Dadurch wollten sie auch weiterhin dem Altenheim, in dem sie arbeiteten, treu bleiben.

Tägliche Führungsaufgaben

Geprüfte Fachinfos
Jetzt zwei neue Hefte der Zeitschrift lesen.
Hier mehr erfahren.

Gesunde Führung wirkte also, indem sie das Miteinander stärkte. Besonders in der Pflege ist sie damit „ein wichtiges Handlungsfeld zur Förderung der Mitarbeitergesundheit und Bindung“, wie die Autoren feststellen. Team- oder Stationsleiter sollten sich also die vier Themen gesunder Führung auf ihre tägliche Aufgabenliste schreiben: auf die Mitarbeiter achten, für die Gesundheit Verantwortung übernehmen, diesbezüglich aktiv werden und Vorbild sein. Zudem sollten sie direkt die Wirkungswege angehen und Belastungen ausräumen (etwa Konflikte ansprechen) sowie Ressourcen stärken (z.B. den Kollegen vertrauen und für eine gute Stimmung sorgen).

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

David Horstmann & Sabine Remdisch (Leuphana Universität Lüneburg). (2016). Gesundheitsorientierte Führung in der Altenpflege: Bedeutung sozialer Belastungen und Ressourcen für die Gesundheit und das Commitment der Mitarbeiter [Abstract]. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie 60, 199-211.

Mehr zu gesunder Führung: Hier zwei neue Ausgaben der Wirtschaftspsychologie aktuell bestellen.

In einer Übersichtsarbeit stellten sich acht psychische Arbeitsbelastungen als Risikofaktoren für Depressionen und Angststörungen heraus.

Zu den wirkungsvollsten Gesundheitsmaßnahmen gehören Pausengestaltung, Betriebssport oder Gesundheitschecks.

Lesen Sie im Themenschwerpunkt „Gefühle managen“ Fakten zu Gefühlswahrnehmung, Empathie, Emotionsarbeit, Charakter, Berufung, Büro-Freundschaften und Wohlbefinden.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.