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Lernen von Peter Ruberton

Kontostand macht glücklich

8. November 2016

Der Kontostand sagt die Lebenszufriedenheit besser vorher als Einkommen, Investitionen oder Schuldenfreiheit. Das fanden US-amerikanische Forscher heraus.

Konto wichtiger als Einkommen

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Peter Ruberton, Sonja Lyubomirsky und Joe Gladstone prüften, ob sofort verfügbares Vermögen, das Gesamteinkommen, Investitionen oder Schuldenfreiheit die Lebenszufriedenheit besser vorhersagten. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Emotion abgedruckt.

Das Forscherteam ging davon aus, dass Personen über verschiedene „mentale Konten“ verfügen, um Finanzentscheidungen zu fällen. Verschiedene Konten erfüllen demnach unterschiedliche hedonistische Zwecke. So vermitteln beispielsweise Investitionen in die Altersvorsorge langfristige finanzielle Sicherheit. Im Gegensatz dazu werden Giro- oder Sparkonten viel häufiger im Alltag genutzt, erinnern einen dadurch ständig an die aktuelle finanzielle Lage und sind deshalb besonders gut geeignet, kurzfristigen finanziellen Wohlstand abzubilden.

585 Bankkunden befragt

Um herauszufinden, ob der Kassenbestand sich tatsächlich besser zur Vorhersage der Lebenszufriedenheit eignete als z.B. das Gesamteinkommen, wurden 585 Kunden einer englischen Bank befragt. Die objektiven Daten zu Einkommen und Vermögen erhielten die Forscher nach Einverständnis der Versuchspersonen von der Bank.

Folgende Maße wurden erhoben:

Kontostand-Effekt

Es wurde ein positiver Zusammenhang zwischen liquidem Vermögen und der Lebenszufriedenheit gefunden, welcher auch nach Kontrolle anderer Einflussfaktoren, wie Alter, Arbeits- oder Beziehungsstatus stabil blieb. Der Kontostand machte also glücklicher. Dieser Zusammenhang war stärker als jener zwischen der Lebenszufriedenheit und anderen Finanzmarkern, z.B. dem Einkommen.

Außerdem wirkte eine Vermehrung im unteren Bereich stärker. Wer seinen Kontostand von einem auf 1.000 Pfund steigerte, wurde um 10 Prozent zufriedener. Wer sich von 1.000 auf 10.000 Pfund verbesserte, wurde um kaum fünf Prozent glücklicher. In einem zweiten Schritt fanden die Forscher noch heraus, dass der Kontostand-Effekt durch einen allgemein wahrgenommenen, finanziellen Wohlstand vermittelt wurde.

Unabdingbare liquide Puffer

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Die Autoren schlussfolgern, dass ein minimaler finanzieller Puffer für die Lebenszufriedenheit sehr wichtig ist, während Reichtum vergleichsweise wenig glücklich macht. Politiker sollten daher die Bevölkerung ermuntern, sich kleine finanzielle Polster anzulegen oder Finanzprodukte fördern, die solche liquiden Puffer vorhalten.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Peter M. Ruberton (University of California, Riverside), Joe Gladstone (University of Cambridge) & Sonja Lyubomirsky (University of California, Riverside). (2016). How Your Bank Balance Buys Happiness: The Importance of “Cash on Hand” to Life Satisfaction [Abstract]. Emotion, 16 (5), 575-580.

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