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Lernen von Rajat Khanna

Pharmafirmen lernen aus Fehlern

4. November 2016

Schwache oder fehlerbehaftete Patente von Pharmafirmen führen dazu, dass zukünftig zwar weniger, aber dafür bessere Patente angemeldet werden. Die Firmen lernen also daraus, wie US-amerikanische Wissenschaftler bestätigen konnten.

Über 150.000 Patente in 17 Jahren

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Managementforscher um Rajat Khanna von der Tulane University in New Orleans haben sich für das Academy of Management Journal angesehen, wie Pharmafirmen aus Fehlern lernen. Sie werteten 156.267 Patenten aus, die 97 führende Pharmafirmen, wie Abbott, Bayer, Glaxo Wellcome, Merck, Novartis oder Pfizer, zwischen 1985 und 2002 beim United States Patent and Trademark Office einreichten.

Als Fehler werteten die Forscher Patente, die vorzeitig aufgegeben wurden – die also innerhalb der zwanzigjährigen Schutzfrist von den Firmen nicht nach vier, acht oder zwölf Jahren verlängert wurden. Sie schauten dann, wie sich diese fehlerhaften Erfindungen auf zukünftige Patente auswirkten.

Weniger, aber bessere Patentanmeldungen

Fehler senkten die Zahl der Patente. Je mehr fehlerhafte Erfindungen eingestellt wurden, desto weniger Patente wurden in der Folgezeit angemeldet. Jedes stornierte Patent senkte die Zahl der folgenden um durchschnittlich zwei Patente oder 0,2 Prozent.

Durch Fehler stieg die Qualität der Patente. Die Qualität angemeldeter Erfindungen wurde dadurch gemessen, wie häufig ein Patent in nachfolgenden Patentanmeldungen aller anderen Firmen zitiert wurde. Die Qualität nahm zu, wenn eine Firma vorher welche frühzeitig einstellte. Durch ein aufgegebenes Patent verbesserte sich die Qualität der späteren um sechs Zitate oder um 0,3 Prozent.

Portfolio war ausschlaggebend

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Nach dieser Auswertung führten die Forscher noch unstrukturierte Interviews mit einigen Managern der Pharmafirmen durch. Dabei zeigte sich, dass das Ergebnismuster durch Entscheidungen im „Intellectual Property Office“ der Firmen zustande kam, in welchem das Patentportfolio überwacht wurde.

Durch Stornierungen setzten sich die qualitativ hochwertigen, aber raren Erfindungen durch. Die Forscher selbst brauchten länger, um neue Moleküle oder Technologien zu erfinden. Daher wurden es erstmal nicht mehr neue Patente.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Rajat Khanna (Tulane University), Isin Guler (Sabanci University) & Atul Nerkar (University of North Carolina at Chapel Hill). Fail Often, Fail Big, and Fail Fast? Learning from Small Failures and R&D Performance in the Pharmaceutical Industry [Abstract]. Academy of Management Journal, 59 (2), 436-459.

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