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Lernen von Anthony Klotz

Sieben Kündigungsstile

24. Oktober 2016

US-amerikanische Managementforscher haben in vier Studien übereinstimmend sieben Kündigungsstile gefunden. Drei positive: 1) vorschriftsmäßig mit genau eingehaltenen Fristen, 2) informell vorangekündigt, 3) dankbar mit guten Gesprächen und Abschiedsfeier. Zwei negative: 4) verletzend durch Wutausbrüche, 5) impulsiv mit überstürztem Abgang. Und zwei neutrale: 6) oberflächlich mit kurzem Gespräch und 7) vermeidend durch bloße E-Mail.

Insgesamt 993 Befragte

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Anthony Klotz von der Oregon State University und Mark Bolino von der University of Oklahoma fragten sich: Weshalb sind die Ursachen von Kündigungen relativ gut erforscht, aber, wie sich die Mitarbeiter dabei genau verhalten, bislang noch nicht? Sie führten daher für die Onlineausgabe des Journal of Applied Psychology vier Studien durch, um Kündigungsstile zu untersuchen:

  1. 53 MBA-Studenten wurden zu ihren früheren Kündigungen interviewt.
  2. 202 Führungskräfte erzählten im Gespräch über das Kündigungsverhalten ihrer Mitarbeiter.
  3. 240 Beschäftigte wurden zum Ablauf ihrer Kündigung gefragt. Außerdem füllten sie einen Fragebogen dazu aus, ob ihr Unternehmen gerecht und ihr Chef feindselig war.
  4. 498 Führungskräfte kreuzten einen Onlinefragebogen zum Kündigungsstil an und dazu, wie sie sich beim Ausscheiden ihrer Mitarbeiter fühlten.

Positiv oder negativ

In allen vier Studien zeigten sich übereinstimmend sieben Kündigungsstile. Zu berücksichtigen ist, dass die Befragten US-Amerikaner waren, die eine Standardkündigungsfrist von zwei Wochen hatten. Drei Stile waren positiv (vorschriftsmäßig, dankbar und vorangekündigt), zwei negativ (verletzend und impulsiv) und zwei eher neutral (oberflächlich und vermeidend). Im Folgenden sind die sieben Stile mit Beschreibung, Beispielen und Einschätzung aufgelistet. Die Häufigkeiten sind der dritten, repräsentativen Mitarbeiterbefragung entnommen.

1. Vorschriftsmäßig. Häufigkeit: 31 Prozent der Befragten. Beschreibung: Mitarbeiter, die vorschriftsmäßig kündigten, sprachen mit dem Chef persönlich, nannten Absicht und Grund ihrer Kündigung, überreichten ein Kündigungsschreiben und hielten die Standardkündigungsfrist ein: zwei bis vier Wochen vor dem letzten Arbeitstag. Beispiel: „Ich bat ihn um ein Gespräch und sagte ihm, dass ich von meinem alten Arbeitgeber ein Jobangebot erhalten hätte. Er zeigte Verständnis, da ich für den aktuellen Job überqualifiziert sei. Das Gespräch dauerte 15 bis 20 Minuten.“ Einschätzung: Der Stil war positiv. Mitarbeiter nahmen das Unternehmen als gerecht war, der Vorgesetzte hatte ein relativ gutes Gefühl.

So richtig geschimpft

2. Oberflächlich. Häufigkeit: 29 Prozent. Beschreibung: Bei oberflächlichen Kündigungen wurde auch ein Gespräch mit dem Vorgesetzten gesucht, das aber sehr knapp ausfiel. Gründe und weitere berufliche Pläne wurden nicht besprochen. Der Mitarbeiter händigte seine schriftliche Kündigung aus, die Frist von zwei Wochen wurde eingehalten. Beispiel: „Ich traf meinen Chef, sagte ihm, dass er einen Ersatz für mich finden müsse und dass dies mein letzter Arbeitstag sei. So einfach war das.“ Einschätzung: Der Stil war eher neutral. Die Mitarbeiter berichteten über keine besonderen Vorkommnisse. Positive und negative Gefühle beim Manager hielten sich die Waage.

3. Verletzend. Häufigkeit: 10 Prozent. Beschreibung: Die Mitarbeiter sagten im Zuge ihrer Kündigung zu ihrem Chef oder ihren Kollegen verletzende Dinge. Oder sie leiteten Schritte ein, die das Unternehmen schädigten, z.B. langwierige rechtliche Auseinandersetzungen. Ein kurzes, aggressives Kündigungsgespräch fand meistens statt, die Kündigungsfrist wurde teilweise gewahrt. Beispiel: „Ich rief ihn an und teilte ihm mit, dass ich von seinen Schikanen genug hätte.“ Oder: „Ich schimpfte meinen Chef so richtig aus.“ Einschätzung: Der Stil war negativ. Mitarbeiter schilderten ihren Chef als übergriffig. Die negativen Gefühle des Chefs – Frustration, Ärger, Angst – waren bei diesem Verhaltensmuster am stärksten.

Vielen Dank, Firma

4. Dankbar. Häufigkeit: Neun Prozent. Beschreibung: Mitarbeiter führten häufig ein ausführliches Kündigungsgespräch mit ihrem Chef, in dem sie ihre Dankbarkeit ausdrückten, dass sie für ihn arbeiten konnten. Sie boten ihm auch an, alles zu tun, damit die Übergabe gelang. Sie gaben ein Kündigungsschreiben ab und hielten die Frist ein. Schließlich verabschiedeten sie sich herzlich von ihren Kollegen. Beispiel: „Ich bat um einen Termin und ging in ihr Büro. Ich sagte ihr, dass ich gerne für das Unternehmen und für sie als Chefin gearbeitet hätte. Ich bot ihr auch an, zukünftig als Berater zur Verfügung zu stehen. Dann sprachen wir über meine Abschiedsfeier.“ Einschätzung: Der Stil war positiv. Mitarbeiter fühlten sich gerecht behandelt. Die Chefs waren einigermaßen heiter, bedauerten aber auch das Ausscheiden.

5. Vermeidend. Häufigkeit: Neun Prozent. Beschreibung: Die Kündiger vermieden das persönliche Gespräch mit ihrem direkten Vorgesetzten. Sie sprachen mit dessen Vertreter oder schrieben lediglich einen Brief oder eine E-Mail. Beispiel: „Ich schrieb ihr einfach eine kurze E-Mail, dass ich gehen werde.“ Einschätzung: Der Stil war relativ neutral. Mitarbeiter und Chef fühlten sich sowohl schlecht als auch gut.

Konstruktivster Kündigungsstil

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6. Vorangekündigt. Häufigkeit: Acht Prozent. Beschreibung: Beschäftigte teilten ihrem Chef schon vor der offiziellen Kündigung informell mit, dass sie vorhatten, sich beruflich zu verändern. Die Vorgesetzten waren also schon eingeweiht, wenn das Kündigungsgespräch stattfand und das formale Schreiben eingereicht wurde. Beispiel: „Ich informierte meinen Chef, dass ich aktiv einen anderen Job suchte. Als ich das Angebot bekam, ging ich in sein Büro und sagte es ihm. Er bat mich, ihm eine E-Mail zu schicken und die Kündigungsfrist von zwei Wochen einzuhalten.“ Einschätzung: Der Stil war positiv. Die Autoren sprechen sogar von „konstruktivster Form der Kündigung“, da die positiven Gefühle des Vorgesetzten seine negative übertrafen.

7. Impulsiv. Häufigkeit: Vier Prozent. Beschreibung: Die Mitarbeiter waren meist durch ein ärgerliches Erlebnis aufgebracht, verließen von jetzt auf gleich ihren Arbeitsplatz und kamen nicht wieder. Keinerlei Kündigungsfrist wurde eingehalten. Beispiel: „Ich sagte ihm, dass ich jetzt das Gebäude verlasse und ihm den Schlüssel per Post zusenden würde. Seitdem habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen.“ Einschätzung: Der Stil war negativ. Die Kündiger beschwerten sich darüber, dass ihr Unternehmen und ihr Chef ungerecht waren. Letztere ärgerten sich über das überstürzte Ausscheiden und waren frustriert.

Mitarbeitern mit Kündigungsabsicht empfehlen die Forscher: „Wenn Beschäftigte, die Wahrscheinlichkeit verringern wollen, dass ihr Vorgesetzter negativ reagiert, sollten sie ihre Kündigung vorab ankündigen, sich dabei an vorgeschriebene Abläufe halten und ihren Dank für die Arbeit in der Firma ausdrücken. Das legen unsere Ergebnisse nahe.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Anthony C. Klotz (Oregon State University) & Mark C. Bolino (University of Oklahoma). (2016). Saying Goodbye: The Nature, Causes, and Consequences of Employee Resignation Styles [Abstract]. Journal of Applied Psychology, Online First Publication.

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