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Lernen von Erik de Haan

Wirksamkeit von Coaching hängt von Zielen ab

14. Oktober 2016

In einer großangelegten Coaching-Studie kam heraus, dass Business Coaching umso wirksamer war, je stärker Aufgaben und Ziele betont wurden und je mehr Selbstvertrauen die Klienten hatten. Auf die Bindung zwischen Coach und Klient kam es weniger an. Auch die Persönlichkeit von beiden war vernachlässigbar.

1.895 Coachings untersucht

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Ein Team um Erik de Haan von der Ashridge Business School hat in einer groß angelegten Studie überprüft, ob Coaching wirkte. Die Ergebnisse brachte das Consulting Psychology Journal. An der Studie nahmen 366 Coaches aus 22 Ländern teil. Sie füllten nach ihren Business Coachings, die durchschnittlich acht Sitzungen dauerten, online einen Fragebogen aus und luden die Klienten ein, auch entsprechende Fragen zu beantworten. Das taten 1.895 Klienten, darunter 918 Frauen, die vor allem leitende Positionen innehatten. Die Daten wurden zwischen November 2011 und März 2013 erhoben. Im Fragebogen wurden die Wirksamkeit des Coachings, die Coaching-Beziehung, das Selbstvertrauen und die Persönlichkeit erhoben.

Klare Ziele, gute Wirkung

Aufgaben, Ziele und Selbstvertrauen wirkten. Coaches und Klienten schätzten die Wirksamkeit mit vier Aussagen ein: „Raum zum Nachdenken erfolgreich geschaffen“, „zu neuen Einsichten gelangt“, „neue Handlungen und Verhaltensweisen erfolgreich eingesetzt“ und „insgesamt erfolgreich“. Ein Coaching war umso wirksamer, je besser die Beziehung zwischen Coach und Klient war. Die Beziehung war gut, wenn die Aufgaben der Sitzung klar waren („Mir ist klar, was ich während der Sitzungen tun soll.“), Ziele herausgearbeitet wurden („Die Ziele der Sitzungen sind für mich wichtig.“) und man dem anderen vertraute („Ich bin davon überzeugt, dass mein Coach wirklich das Beste für mich will.“). Von diesen drei Beziehungskomponenten waren Aufgaben und Ziele für die Wirksamkeit wichtiger als die vertrauensvolle Bindung. Schließlich zeigte sich, dass Coachings besser verliefen, wenn Coach und Klient davon überzeugt waren, allgemein Probleme lösen zu können („Ich kann jedes schwierige Problem lösen, wenn ich es nur ernsthaft genug versuche.“).

Persönlichkeit und Beziehung fielen ab

Persönlichkeit war vernachlässigbar. Coach und Klient schätzten ihre Persönlichkeit mit dem – allerdings umstrittenen, weil wenig messgenauen –„Myers-Briggs Type Inventory (MBTI)“ ein. Es zeigte sich, dass weder die damit erfassten sechzehn Persönlichkeitstypen die Wirksamkeit des Coachings vorhersagten noch war dafür ausschlaggebend, ob Coach und Klient von ihrer Persönlichkeit her zueinander passten.

Ziele wirkten stärker als Beziehung. Schließlich wurde geprüft, ob die drei Komponenten der Arbeitsbeziehung die Wirkung der allgemeinen Problemlösefähigkeit vermittelten. Hier kam heraus, dass dieses Selbstvertrauen von Klienten vor allem dann in gute Coaching-Ergebnisse umgesetzt werden konnte, wenn ihnen Aufgaben und Ziele klar waren. Die vertrauensvolle Beziehung war auch hierbei weniger ausschlaggebend. Mit anderen Worten: Zentrale Wirkfaktoren des Business Coachings waren genaue Aufgaben und Meilensteine, weniger ein harmonisches Miteinander.

Ziele sind wichtiger als Bindung

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Die Wirksamkeit von Coachings hing also vor allem von umgesetzten Zielen ab. Die Autoren schreiben: „Wir haben belegt, dass Aufgaben und Ziele wichtiger sind als die zwischenmenschliche Bindung. Das kann ein wichtiger Punkt sein, der Coaching von Therapie unterscheidet. Wir empfehlen, zukünftig die Coach-Klienten-Beziehung noch eingehender zu erforschen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Erik de Haan (Ashridge Business School), Anthony M. Grant (The University of Sydney), Yvonne Burger (VU University Amsterdam) & Per-Olof Eriksson (Triolog, Stockholm, Sweden). (2016). A Large-Scale Study of Executive and Workplace Coaching: The Relative Contributions of Relationship, Personality Match, and Self-Efficacy [Abstract]. Consulting Psychology Journal: Practice and Research, 68 (3), 189-207.

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