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Lernen von Prisca Brosi

Wer stolz ist, wirkt forsch und kalt

6. Oktober 2016

Stolze erscheinen tatkräftiger, selbstbewusster, aufgabenbezogener und weniger mitmenschlich als Fröhliche. Vor allem stolzen Frauen werden diese Eigenschaften zugeschrieben. Dieses gezeigte Gefühl löst damit herkömmliche Geschlechtsunterschiede auf, wonach Frauen mitfühlender und mitarbeiterorientierter wahrgenommen werden als Männer. So das Ergebnis Münchner Forscherinnen.

Stolz auf Fotos

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Wirtschaftswissenschaftlerinnen um Prisca Brosi von der Technischen Universität München haben in zwei Experimenten untersucht, wie Stolz wirkt – nachzulesen in der Septemberausgabe des Journal of Applied Psychology. In den zwei Untersuchungen schauten sich insgesamt 400 Studierende Bilder von jungen Frauen und Männern an, die angeblich ein begehrtes Stipendium gewonnen hatten. Eine Hälfte der Abgebildeten gab sich stolz, indem sie die Hände in die Hüften stemmten und triumphal von oben herab schauten. Der andere Teil freute sich lediglich. Zusätzlich wurden sie mit einem kurzen Text als stolz („sehr stolz“) oder freudig („ein breites Lächeln“) beschrieben. Die Studenten schätzten dann mit einem Fragebogen ein, ob die Personen auf den Fotos selbstbewusst, warmherzig oder rücksichtslos waren und wie sie vermutlich Mitarbeiter führen würden.

Tatkräftiger, aggressiver

Stolze wirkten selbstbewusster und kaltherziger. Stolze wurden gegenüber Freudigen durchweg als selbstbewusster („selbstsicher“, „tatkräftig“) und weniger mitmenschlich („verständnisvoll“, „warmherzig“) eingeschätzt. Außerdem wurde Stolzen eher ein aufgabenbezogener Führungsstil („Mitarbeitern die Ziele mitteilen“) und weniger ein mitarbeiterbezogener Stil („sich um das Wohlergehen der Mitarbeiter kümmern“) zugeschrieben. Schließlich galten Stolze verglichen mit Fröhlichen als feindseliger („aggressiv“, „egoistisch“).

Aufgelöste Unterschiede

Stolz zerstreute typische Geschlechtsunterschiede. Die Frauen auf den Fotos wirkten allgemein und vor allem, wenn sie lachten, mitmenschlicher und weniger tatkräftig als Männer. Stolz löste diese überkommenen Geschlechtsunterschiede quasi auf. Vor allem stolze Frauen wurden als selbstbewusster, aggressiver, aufgabenorientierter und weniger warmherzig wahrgenommen. Stolze Männer und Frauen glichen sich dann in diesen Eigenschaften, während ein Lächeln die typischen Unterschiede zementierte: forsche, aufgabenbezogene Männer und teilnahmsvolle, mitarbeiterbezogene Frauen.

Mehr Stolz, weniger Vorurteile

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Die Forscherinnen schlussfolgern: „Diese Ergebnisse sind besonders für Frauen wichtig. Sie legen nahe, dass Frauen geschlechtsbezogenen Vorurteilen – etwa, dass es ihnen an Tatkraft und aufgabenbezogener Führungskompetenz mangele – entgegenwirken können, wenn sie zeigen, dass sie auf ihre Leistungen stolz sind.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Prisca Brosi (Technical University of Munich), Matthias Spörrle (University Seeburg Castle and University of Applied Management), Isabell M. Welpe (Technical University of Munich) & Madeline E. Heilman (New York University). (2016). Expressing Pride: Effects on Perceived Agency, Communality, and Stereotype-Based Gender Disparities [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 101 (9), September 2016, 1319-1328.

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