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Lernen von Sabine Hommelhoff

Unglaubwürdig durch Geschäftsjargon

26. September 2016

Führungskräfte, die deutsche oder englische Phrasen verwenden, etwa „zeitnah“ oder „performen“ sagen, wirken unsympathischer, unglaubwürdiger und inkompetenter als jene mit klarer Sprache. Das haben Erlanger Psychologinnen in zwei Experimenten herausgefunden.

Effizient Phrasen dreschen

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Die mit englischen Wendungen durchsetzte Sprache deutscher Manager wird oft kritisiert. Deutsche Führungskräfte gewinnen häufig auch den „Sprachpanscher des Jahres“, einen Negativpreis des Vereins Deutsche Sprache. Dessen Vorsitzender, Walter Krämer, meint: „Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch.“

In zwei Experimenten haben Forscherinnen um Sabine Hommelhoff an der Universität Erlangen-Nürnberg nun untersucht, wie deutscher und englischer Geschäftsjargon auf andere wirken. Ihre Ergebnisse stellten sie auf dem 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Leipzig vor. Im ersten Experiment lasen 278 Teilnehmer online eine fiktive Ansprache einer Führungskraft. Bei einem Teil war sie mit deutschem Geschäftsjargon durchsetzt (z.B. „am Ende des Tages“, „steile Lernkurve“, „die richtige Flughöhe erreichen“, „zeitnah“, „nachhaltig“), beim anderen Teil nicht.

Im zweiten Experiment, an dem 186 Personen teilnahmen, war der deutsche Text bei einem Teil mit englischem Jargon gespickt (z.B. „delivern“, „performen“, „committen“, „Extra Mile“, „out of the Box“). In der anderen Gruppe kam kein Jargon darin vor. In beiden Untersuchungen wurde gemessen, wie sympathisch, glaubwürdig oder kompetent die Leser die Führungskraft fanden.

Bleibender negativer Eindruck

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Herauskam, dass sowohl ein englischer als auch ein deutscher Geschäftsjargon zu Einbußen bei allen drei Maßen führten. Führungskräfte, die viele deutsche oder englische Phrasen gebrauchten, wurden als unsympathischer, unglaubwürdiger und inkompetenter wahrgenommen als Chefs, die schnörkellos redeten. Die negative Wirkung des englischen Jargons war etwas stärker als die des deutschen.

Insgesamt lässt sich also feststellen, dass englische und deutsche Geschäftsphrasen keinen guten Eindruck machen. Die Forscherinnen raten, „möglichst wenig Geschäftsjargon zu verwenden, wenn man einen kompetenten, sympathischen und glaubwürdigen Eindruck hinterlassen möchte. Es lohnt sich also, nach einer guten und einfachen Formulierung zu suchen, anstatt – sei es aus Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit, Konformismus oder als Signal für Expertise oder Zugehörigkeit – eine vorgefertigte Phrase zu verwenden.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Saskia Rickers, Inga Risberg & Sabine Hommelhoff (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Psychologie im Arbeitsleben). (2016). Die Wahrnehmung von deutschem und englischem Geschäftsjargon bei Führungskräften. Poster auf dem 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Leipzig, Deutschland.

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