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Lernen von Bilian Lin

Auf eigene Faust kreativ werden

8. September 2016

Wenn Mitarbeiter ohne Erlaubnis auf eigene Faust kreativ werden, können Vorgesetzte auf fünf verschiedene Arten reagieren: vergeben, belohnen, bestrafen, ignorieren oder taktieren. Einzig das Belohnen führt dazu, dass langfristig die kreative Leistung der Mitarbeiter steigt.

Belohnen oder bestrafen

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Bilian Lin von der Chinesischen Universität Hongkong und ihre Kollegen haben untersucht, wie Chefs auf Mitarbeiter reagieren, die ohne Erlaubnis kreativ werden. Sie schreiben darüber in der Fachzeitschrift The Leadership Quarterly.

„Kreativität auf eigene Faust (creative deviance)“ liegt vor, wenn Mitarbeiter an einer neuen Idee weiterarbeiten, obwohl es ihnen vom Vorgesetzten untersagt wurde.

Die Forscher befragten 343 Grafikdesigner und Marketingexperten und ihre 169 Chefs aus zwei chinesischen Werbeagenturen. Die Mitarbeiter gaben zu zwei Zeitpunkten online ihren kreative Ungehorsam an: „Obwohl mein Chef mich bat, einige neue Ideen nicht weiterzuentwickeln, arbeitete ich an diesen Ideen weiter.“ Die Chefs bewerteten die kreative Leistung der Mitarbeiter. Außerdem schätzten die Beschäftigten ein, auf welche der folgenden fünf Arten der Vorgesetzte auf ihren schöpferischen Eigensinn reagierte:

Kreativer durch aufmunternde Worte

Unterstützende Chefs belohnten häufiger. Herauskam, dass Vorgesetzte, die auch sonst die Kreativität der Mitarbeiter unterstützten, auf das Fehlverhalten meistens positiv reagierten. Sie belohnten und vergaben häufiger. Bestrafen oder Ignorieren kam bei ihnen seltener vor. Außerdem taktierten sie nicht.

Belohnen machte kreativer. Wir wirkten sich die fünf Verhaltensweisen der Chefs auf die kreative Leistung der Mitarbeiter aus? Hier war nur eine Strategie förderlich: Belohnen. Dadurch wurden die Mitarbeiter zukünftig kreativer. Bestrafen und Taktieren führten zu geringeren Leistungen. Ein Verhalten war mittelbar förderlich: Vergeben. Das machte zukünftigen kreativen Eigensinn wahrscheinlicher, der wiederum zu mehr neuen Ideen führte.

Erfinder werden

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Wenn Chefs die eigenmächtige Kreativität ihrer Mitarbeiter nicht abwürgen, sondern fördern, könnte ihr Rollenverständnis ins Wanken geraten, aber auch gut fürs Unternehmen sein. Die Autoren: „Kreativität auf eigene Faust fordert Manager heraus und kann dazu führen, dass bei ihnen ein Hebel umgelegt wird, weg vom Vorgesetzten, der Schaden abwendet, hin zum Erfinder, der erforschen will.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Bilian Lin (School of Management and Economics, CUHK Business School, The Chinese University of Hong Kong, China), Charalampos Mainemelis (ALBA Graduate Business School, The American College of Greece, Greece) Ronit Kark (Department of Psychology, Bar-Ilan University, Ramat Gan, Israel). (2016). Leaders' responses to creative deviance: Differential effects on subsequent creative deviance and creative performance [Abstract]. The Leadership Quarterly, 27, 537-556.

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