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Lernen von Katharine Greenaway

Verschönerte Arbeitsplätze erhöhen die Produktivität

6. September 2016

Teams arbeiten besser in farbig gestalteten Büros als in kahlen Arbeitsumgebungen. Außerdem kann die Bürogestaltung dazu führen, dass man sich stärker mit anderen identifiziert oder sie als Konkurrenz ansieht.

Leaning versus Meaning

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Das fand ein Team um Katharine Greenaway von der australischen University of Queensland heraus. Sie forscht zu Identitätsprozessen, Emotionsregulation und menschlichem Handeln. In ihrer neuesten Untersuchung beschäftigte sie sich mit der Auswirkung von Arbeitsplatzgestaltung auf Leistung und Kommunikationsfähigkeit. Die Ergebnisse veröffentlichte das Journal of Personnel Psychology.

Im späten 20. Jahrhundert fand besonders die auf den Annahmen von Frederick Winslow Taylor gründende sogenannte „Leaning“-Philosophie (knapp, schmal, hager) der Arbeitsplatzgestaltung großen Anklang. Diese ging davon aus, dass sich eine persönliche Gestaltung der Arbeitsumgebung („Meaning“) nachteilig auf die Produktivität auswirkt, weil sie vom eigentlichen Arbeitsziel ablenkt. Untersuchungen der letzten Jahre zeigten jedoch, dass besonders gestaltete Arbeitsplätze das Wohlbefinden und die Arbeitsleistung der Mitarbeiter ankurbeln.

Roter, blauer, kahler Raum

Letzteres vermutete auch das Forscherteam um Greenaway. Für ihre Untersuchung teilten sie 54 Studierende in 15 Teams ein. Alle Teilnehmer sollten sich vorstellen, für eine fiktive Firma zu arbeiten. Im Team wurden dann einige Spiele zum Kennenlernen durchgeführt, ein Teamposter kreiert und der Raum in der Teamfarbe Rot gestaltet, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.

Danach wurden die Teams zufällig auf drei verschiedene Räume aufgeteilt: 1) in einen mit der Teamfarbe Rot, in dem vorher angeblich ein anderes Rot-Team arbeitete, 2) in einen blauen, wobei gesagt wurde, dass dieser zuvor von einem konkurrierenden Team besetzt war und 3) in einen völlig undekorierten Raum. Darin wurde dann dreierlei gemessen:

Raumdeko verbesserte Teamleistung

Produktiver in gestalteten Räumen. Die Raumgestaltung hatte einen statistisch bedeutsamen Effekt auf die Produktivität. Teams und einzelne Mitarbeiter produzierten in rot oder blau dekorierten Räumen mehr Wörter als im undekorierten Büro. Die Leistung im Raum mit der eigenen Farbe Rot unterschied sich dabei nicht von der im Raum mit der Konkurrenzfarbe Blau. Die Kommunikationsfähigkeit wurde durch die Raumdekoration nicht beeinflusst. In allen drei Räumen steuerten die Teams ihre Raumschiffe gleich gut.

Stärker mit farblich ähnlichem Team identifiziert. Erwartungsgemäß identifizierten sich die Teilnehmer stärker mit anderen Teams, die auch in roten Räumen arbeiteten, als mit Teams, die in kahlen Räumen waren. Außerdem gab es mehr Konkurrenzdenken gegenüber Blau-Teams, wenn die Studenten in deren himmelblauem Büro tätig waren.

Arbeitsplatz auf jeden Fall gestalten

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Die Autoren fassen die Ergebnisse wie folgt zusammen: „Ein Raum, der in der Farbe der eigenen Gruppe gehalten war, stieß bessere Leistungen an als ein kahler Raum ohne identitätsbezogenen Gehalt. Wir fanden auch, dass ein Raum produktiver machte, der wie der vom Konkurrenzteam gestaltet war.“ Katharine Greenaway und ihre Kollegen halten fest, dass persönlich gestaltete Arbeitsplätze in jedem Fall eher die Produktivität erhöhen als völlig kahle Büros: „Meaning beats leaning.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Katharine H. Greenaway, Hannibal A. Thai, S. Alexander Haslam & Sean C. Murphy (University of Queensland, Brisbane, Australia). (2016). Spaces That Signal Identity Improve Workplace Productivity [Abstract]. Journal of Personnel Psychology, 15, 35-43.

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