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Lernen von Marcus Credé

Beharrlichkeit ist wenig aussagekräftig

2. September 2016

Ein Team von US-Psychologen hat Beharrlichkeit studienübergreifend untersucht. Anders als erwartet, war sie keine einheitliche Eigenschaft, ließ sich nicht von Sorgfalt unterscheiden und sagte Leistung nur mäßig vorher. Ausdauer war auch kein Zeichen von Intelligenz.

Ausdauernd, beständig

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Angela Duckworth hat „Beharrlichkeit (grit)“ in die Persönlichkeitspsychologie eingeführt. Sie sei definiert als „Ausdauer und Begeisterung für langfristige Ziele“ und setze sich aus zwei Bausteinen zusammen:

  1. Ausdauer: sich andauernd bemühen (eine Aussage dazu aus der „Short Grit Scale“: „Ich beende, was immer ich beginne.“) und
  2. Beständigkeit: sich für etwas gleichbleibend interessieren (umgekehrt formuliert: „Meine Interessen ändern sich von Jahr zu Jahr.“).

Duckworth behauptete, dass man Leistung mit Beharrlichkeit maßgeblich und sogar besser vorhersagen könne als mit Intelligenz.

73 Studien zusammengefasst

Das hat ein Team um Marcus Credé von der Iowa State University jetzt in einer Metaanalyse untersucht. Die Forscher fassten für das Journal of Personality and Social Psychology rechnerisch 73 Studien mit insgesamt 66.807 Teilnehmern aus den Jahren 2007 bis 2015 zusammen. Es ging dabei um die Facetten der Beharrlichkeit und darum, wie sie mit Erfolgsmaßen zusammenhingen. Was kam heraus?

Gewisse Wirkungslosigkeit

Mit Beharrlichkeit wurde zweierlei gemessen. Die beiden Komponenten Ausdauer und Interessensbeständigkeit hingen teils nur mäßig zusammen. Sie müssen daher als zwei eigenständige Eigenschaften denn als Ausprägungen eines übergeordneten Merkmals angesehen werden.

Beharrlichkeit sagte Erfolg nur dürftig voraus. Die Erfolgsmaße akademische Leistung und schulischer Notendurchschnitt wurden von der Beharrlichkeit mit nur kleinem Effekt vorhergesagt. Hierbei schnitt die Ausdauer etwas besser ab als die Interessensgleichheit. Intelligenz sagte die Leistung etwa dreimal besser vorher als Beharrlichkeit.

Beharrlichkeit ging nicht mit Klugheit einher. Sowohl das Gesamtmaß als auch die beiden Elemente Ausdauer und Interessensbeständigkeit hingen so gut wie gar nicht mit der Intelligenz zusammen. Wer schnell denken konnte, war also meist nicht ausdauern und umgekehrt.

Beharrlichkeit war nicht von Gewissenhaftigkeit zu unterscheiden. Schließlich zeigte sich, dass Beharrlichkeit so stark mit Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt zusammenhing, dass sie davon praktisch nicht zu unterscheiden war.

Einfach ein Benennungsfehler

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Beharrlichkeit war also in sich verschieden, von herkömmlicher Sorgfalt nicht zu unterscheiden und blieb in Bezug auf Leistung nahezu wirkungslos. Das Forscherteam um Marcus Credé mutmaßt gar, dass „die Beharrlichkeitsforschung ein Opfer eines Benennungsfehlers wurde und Beharrlichkeit einfach Gewissenhaftigkeit in neuer Verpackung ist“. Die Psychologen rufen dazu auf, das Merkmal kritisch zu hinterfragen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Marcus Credé and Michael C. Tynan (Iowa State University) & Peter D. Harms (University of Alabama). (2016). Much Ado About Grit: A Meta-Analytic Synthesis of the Grit Literature [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, Online First Publication.

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