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Lernen von Jeffrey Conrath Miller

Beiläufiges Gehen beglückt

18. August 2016

Einfaches zehnminütiges Gehen führt dazu, dass man heiterer, angeregter und energischer wird. Das konnten Psychologen aus Iowa belegen. Verglichen mit Sitzenden dürften Bürospaziergänger somit obenauf sein.

Variiertes Wandeln

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Die Psychologen Jeffrey Conrath Miller und Zlatan Krizan von der Iowa State University haben untersucht, wie „beiläufiges Spazieren (incidental ambulation)“, wirkt. Sie führten dazu drei Experimente durch. Mit folgenden Ergebnisse, die in der Augustausgabe der Fachzeitschrift Emotion stehen.

Glücksgehen gefunden

Gehen machte fröhlicher als Fotos ansehen. Ein Teil von insgesamt 232 Studenten betrachtete 12 Minuten lang im Sitzen 10 Fotos von Gebäuden. Der andere schaute sich diese auf einem ebenso langen Spaziergang an. Dabei sollte nur auf die Bauwerke geachtet werden, das Gehen war nebensächlich. Die Flaneure waren danach dennoch begeisterter, freudig erregter und aufmerksamer als jene, die nur auf die Fotos schauten.

Gehen erhielt die gute Laune, selbst wenn man lustlos war. Im zweiten Experiment waren 93 Studenten in drei Gruppen aufgeteilt. Die Teilnehmer der ersten sahen sitzend ein Video vom Inneren eines „langweiligen Gebäudes“. Die der zweiten gingen durch das Gebäude. Jene der dritten marschierten ebenso hindurch, aber mit der verdrießlichen Aussicht, danach einen zweiseitigen Essay darüber schreiben zu müssen. Dennoch nahm die gute Laune bei beiden Geh-Gruppen nicht ab. Die Stimmung der Sitzenden trübte sich hingegen ein.

Gehen begeisterte mehr als Sitzen oder Stehen. Schließlich sahen 128 Studenten zehn Minuten lang ein Video von einem Museumsrundgang. Sie waren in drei Gruppen unterteilt. Die erste stand dabei, die zweite saß, die dritte verfolgte den Film auf einem Laufband, auf dem die Versuchspersonen mit einer Geschwindigkeit von fünf Kilometern pro Stunde trotteten. Wieder waren die Laufenden danach heiterer als die Regungslosen.

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Gehen, das wie zufällig stattfand, erhielt oder verbesserte in allen drei Versuchen die gute Laune. Die Autoren schlussfolgern: „Bewegung, die in alltägliche Verrichtungen eingebettet ist, scheint eine positive Stimmung stark zu fördern und macht unbewusst energisch und heiter, selbst wenn man Gegenteiliges erwartet.“

Warum ist das so? Die Wissenschaftler meinen, dass dadurch das sogenannte Annäherungssystem im Gehirn aktiviert wird. Das ist auf berauschende Belohnungen aus, die nur durch Bewegung erlangt werden können. Bewegt man sich, wird der Rausch im Kleinen vorweggenommen und man fühlt sich gut. Die Psychologen empfehlen dieses Zockeln daher, um „Wohlbefinden und Leistung zu verbessern“.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Jeffrey Conrath Miller and Zlatan Krizan (Iowa State University). (2016). Walking Facilitates Positive Affect (Even When Expecting the Opposite) [Abstract]. Emotion, 16 (5), August 2016, 775-785.

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