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Lernen von Jeff Hancock

Ehrliche E-Mails

15. Juli 2016

E-Mails sind das ehrlichste Medium. Im Netz wird weniger geschwindelt als angenommen. Grundsätzlich lügen Menschen selten und sind sehr vertrauenswürdig. Diese Forschungsergebnisse zählt Jeff Hancock in einem Interview auf.

Nur Zufallstreffer

Jeff Hancock forscht an der Stanford University zum Miteinander im Netz. In der neuen Psychologie Heute beantwortet er Jochen Metzger Fragen zur digitalen Ehrlichkeit. Seine wichtigsten Erkenntnisse:

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Lügen erkennt man nur zufällig. Die meisten glauben zwar, Lügen erkennen zu können. Aber tatsächlich werden sie nur zu 54 Prozent entdeckt. Das entspricht der Zufallswahrscheinlichkeit. Hancock: „Genauso gut könnte man eine Münze werfen.“

Getippte Wahrheit

E-Mails sind ehrlich. Die Medien, danach geordnet, wie viele Lügen sie nach sich ziehen – je weiter hinten, desto mehr Flunkern – sind: 1) E-Mails, 2) Sofortnachrichten (z.B. WhatsApp), 3) direktes Gespräch, 4) Telefon. E-Mails sind also am ehrlichsten. Warum? Weil sie zeitversetzt und speicherbar sind. Das macht die Verfasser gewissenhafter. Telefonierende hingegen reden gleichzeitig, flüchtig und häufig weit entfernt. Dadurch schwindeln sie mehr.

„Ich habe wunderbar gegessen“ – Lüge

Gefälschte Bewertungen haben ein Muster. Jeff Hancock hat von einer bezahlten Agentur geschriebene, also gefälschte mit echten Hotelbewertungen im Internet verglichen. Sie unterscheiden sich in folgenden Punkten: 1) Fälscher reden dauernd von sich selbst und sagen häufig „Ich“, echte Kunden hingegen weniger, 2) bezahlte Einträge gleichen einer Erzählung („Ich habe XY gemacht.“), echte einem Sachtext (Gegenstände, Aussehen, Details), 3) in vorgegaukelten Bewertungen kommen häufiger die Adjektive „wunderbar, toll, großartig“ vor.

Aufrichtigkeitsantrieb

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Die meisten lügen wenig und sind vertrauenswürdig. Insgesamt lügen die meisten Menschen wenig oder nur geringfügig, tippen etwa eine SMS „Bin unterwegs“, obwohl sie noch zu Hause sind. Der Grund für das seltene Lügen: „Wir wollen, wenn wir in den Spiegel schauen, einen ehrlichen Menschen sehen.“ So wird auch im Netz weniger gelogen als gemeinhin angenommen. Die Mehrzahl ist „sehr verantwortungsbewusst und sehr vertrauenswürdig“. Das zeigt sich an Leihdiensten wie Airbnb, bei denen die viele die Wohnungen anderer, in die sie sich einmieten, pfleglich behandeln, oder Rent the Runway, wo Leute Abendgarderobe ausleihen, die fast ausnahmslos in tadellosem Zustand zurückkommt.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Jochen Metzger (2016). „In E-Mails sind wir ziemlich ehrlich.“ [Interview mit Jeff Hancock]. Psychologie Heute, 8/2016, 58-62.

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