Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Lernen von Chad Hartnell

Gegenläufige Geschäftsführer gewinnen

14. Juli 2016

Wenn ein Geschäftsführer konträr zur Unternehmenskultur führt, ist die Firma erfolgreicher. Sie erzielt mehr Gewinn, wenn er bei einer Kultur mit viel Teamgeist das Unternehmen leistungsbezogen lenkt oder wenn er bei einer ausgeprägten Wettbewerbskultur warmherzig lotst. Das fanden Forscher der Georgia State University heraus.

Führung und Kultur: strebsam oder sozial

Chad Hartnell forscht an der Georgia State University zur Unternehmenskultur. Zusammen mit Kollegen ist er jetzt der Frage nachgegangen: Ist es besser, wenn sich Geschäftsführer und Kultur ähneln oder unterscheiden? Die Antwort darauf steht im Journal of Applied Psychology.

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Die Forscher befragten 114 Geschäftsführer ebenso vieler Firmen eines Zusammenschlusses von Technologieunternehmen und 324 ihrer Mitarbeiter aus dem Topmanagement. Letztere schätzten ein, ob der Unternehmenslenker leistungs- oder mitarbeiterbezogen führte. Chief Executive Officer (CEO) und Führungskräfte gaben an, ob es im Unternehmen eher eine Leistungs- oder Mitarbeiterkultur gab. So konnte bestimmt werden, ob sich CEO und Kultur ähnelten. Das wiederum wurde mit der Kapitalrentabilität des Unternehmens abgeglichen, also damit, wie gewinnbringend das Vermögen eingesetzt wurde. Es kam heraus, dass sich Unähnlichkeit mehr auszahlte als Ähnlichkeit:

Gewinnbringende Unähnlichkeit

Leistungsbezogene Unähnlichkeit war einträglicher. Wenn sich der Führungsstil des CEO und die Kultur hinsichtlich der Betonung von Leistung unähnlich waren, war das Unternehmen rentabler als wenn sich beide ähnelten. Wenig leistungsbezogene Chefs („Er legt selten Leistungsstandards fest.“) waren also in stark leistungsbezogene Kulturen („Ergebnisorientierung, hohe Erwartungen“) erfolgreicher und stark leistungsbezogene Chefs in wenig leistungsbezogenen Kulturen. Eine kleine Einschränkung gab’s für besonders leistungsorientierte CEOs. Sie konnten wenig wettbewerbsorientierte Kulturen auch überfordern. Ihr Unternehmensgewinn war dann nicht größer als der von wenig ambitionierten Geschäftsführern.

Mitarbeiterbezogene Unähnlichkeit war ebenfalls gewinnbringender. Auch im Hinblick auf Mitarbeiterbezug schlug Unähnlichkeit Ähnlichkeit. Stark mitarbeiterbezogene CEOs („Er ist freundlich und umgänglich.“) erzielten in teilnahmslosen Kulturen („wenig Teamgeist, Zusammenarbeit, Toleranz“) größere Gewinne, ebenso wenig mitarbeiterbezogene Chefs in besonders sozialen Kulturen – jeweils verglichen mit ähnlichen Ausprägungen (CEO und Kultur beide stark oder schwach das Miteinander betonend). Im Vergleich zur Leistungsorientierung, die auch nach hinten losgehen konnte, gab es praktisch kein Zuviel an menschlicher Führung seitens des Geschäftsführers. Sie zahlte sich in wenig fürsorglichen Unternehmen immer aus.

Möglichst anders führen

Geprüfte Fachinfos
Jetzt zwei neue Hefte der Zeitschrift lesen.
Hier mehr erfahren.

Mit Andersartigkeit auf höchster Führungsebene ließ sich also punkten, mit Ähnlichkeit nicht. Ein CEO, der nicht zur Unternehmenskultur passte, verhalf der Organisation zu mehr Gewinn. Damit konnten auch zwei Theorien getestet werden. Die soziale Identitätstheorie von Michael Hogg, wonach prototypische Chefs, die der Organisation besonders entsprechen, einen hohen Status erlangen, ähnliches Verhalten bei Mitarbeitern auslösen und Werte schaffen. Sie wurde widerlegt. Und die Weg-Ziel-Theorie von Robert House, wonach erfolgreiche Führungskräfte jene Unterstützung geben, die der Firma fehlt und deren Führung notgedrungen anders ist als es die Mitarbeiter sind. Sie ließ sich bestätigen.

Beziehungspflege sollte auf die Aufgabenliste

Ausgehend von den Ergebnissen empfiehlt das Team um Chad Hartnell Topmanagern Folgendes:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Chad A. Hartnell (Georgia State University), Angelo J. Kinicki (Arizona State University), Lisa Schurer Lambert (Georgia State University), Mel Fugate (University of South Australia) & Patricia Doyle Corner (Auckland University of Technology). (2016). Do Similarities or Differences between CEO Leadership and Organizational Culture Have a More Positive Effect on Firm Performance? A Test of Competing Predictions [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 101 (6), June 2016, 846-861.

Mehr zu Führung, Leistung und Erfolg: Hier die Wirtschaftspsychologie aktuell testen.

In Teams mit mehr Männern und Extrovertierten, die aus sich herausgehen, übernehmen Frauen häufiger die Führung.

Teilzeit-Leitfaden: In einem neuen Projekt wurde untersucht, was Führungskräften hilft, flexibler zu arbeiten.

Intelligenz und Veränderungsprojekte regen kollektive Führung an, so ein Experiment britischer Forscherinnen.

Buchbesprechung „Der CEO im Fokus“: Kann man als CEO authentisch sein?

Im Themenschwerpunkt „New Work“ stehen Fakten zu neuer Arbeitswelt, Schreibtischlosigkeit, Werten, Erlebniskultur, Entfremdung und Psychopathie im Büro.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.

Seminare zu Personalmanagement oder Führung bietet die Deutsche Psychologen Akademie an.