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Lernen von Michael Beckmann

Homeoffice-Mitarbeiter arbeiten mehr

27. Juni 2016

Baseler Wirtschaftswissenschaftler haben berechnet, dass Mitarbeiter im Homeoffice durchschnittlich 2,5 Stunden pro Woche freiwillig mehr arbeiten als jene im Firmengebäude. Wer täglich im Homeoffice sitzt, schenkt der Firma sogar regelmäßig sechs Wochenstunden. Homeoffice-Angestellte sind also besonders fleißig und motiviert.

Faulenzen Homeoffice-Mitarbeiter?

Michael Beckmann lehrt Personal und Organisation an der Universität Basel. Zusammen mit Kira Rupietta hat er jetzt untersucht, ob Homeoffice-Mitarbeiter fleißiger oder fauler sind als Angestellte, die im Firmengebäude arbeiten. Die Ergebnisse druckte das Fachmagazin PERSONALquarterly.

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Datengrundlage der Wirtschaftswissenschaftler waren die Antworten von 5.092 Personen, die im Rahmen der Langzeitbefragung „Sozio-oekonomisches Panel“ im Jahr 2009 Auskunft zu ihrer Homeoffice-Arbeit gaben. Sie kreuzten an, ob sie täglich, mehrmals pro Woche, gelegentlich oder selten von zu Hause aus arbeiteten. Dem wurde die wöchentliche Mehrarbeit, die sie über ihre vertraglich vereinbarte Arbeit hinaus leisteten, gegenübergestellt. Außerdem rechneten die Forscher viele weitere Variablen heraus, die die Beziehung zwischen Homeoffice und Mehrarbeit beeinflussen konnten, etwa Geschlecht, Bildung, Einkommen, frühere Arbeitslosigkeit, Führungsposition oder Firmengröße. Die Ergebnisse:

Motivierte Heimarbeiter

Im Homeoffice arbeiteten eher Männer und Chefs. Die Autoren schauten zunächst, wer häufiger im Homeoffice arbeitete. Das waren wider Erwarten eher Männer als Frauen. Ebenso eher Vollzeitangestellte, Beschäftigte mit höherer Bildung, Führungsposition und höherem Einkommen. Homeoffice-Mitarbeiter übten also insgesamt „anspruchsvolle Tätigkeiten bei einem hohen Grad an Autonomie“ aus, so die Forscher.

Wer im Homeoffice war, leistete mehr freiwillige Arbeit. Im Vorhersagemodell mit allen Kontrollvariablen zeigte sich eindeutig: Wer (gelegentlich) im Homeoffice war, arbeitete wöchentlich durchschnittlich 2,5 Stunden mehr als Mitarbeiter, die im Firmengebäude saßen. Mitarbeiter, die täglich von zu Hause aus tätig waren, leisteten in der Woche gar sechs Stunden Mehrarbeit. Die Wirtschaftswissenschaftler schlussfolgern, dass je häufiger Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, „das Ausmaß der Mehrarbeit umso stärker ausgeprägt ist“ und dass Homeoffice-Arbeit somit „die intrinsische Motivation der betroffenen Mitarbeiter fördert“.

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Dass Homeoffice-Mitarbeiter faulenzen, weil sie machen können, was sie wollen, ließ sich also nicht zeigen. Die Arbeit von zu Hause aus scheint eher von Vorteil zu sein: sie motiviert, man hat kurze Wege zur Arbeit, die Kosten fürs Büro sinken, Mitarbeiter werden seltener unterbrochen und sie sind insgesamt ausgeglichener.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Kira Rupietta & Michael Beckmann (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät an der Universität Basel). (2016). Arbeit im Homeoffice: Förderung der Arbeitsbereitschaft oder Einladung zum Faulenzen? PERSONALquarterly, 3/2016, 14-19.

Nur 12 Prozent aller Beschäftigten arbeiten im Homeoffice, obwohl es bei 42 Prozent der Arbeitsplatz zuließe.

30 Prozent der Unternehmen erwarten, dass das Homeoffice wichtiger wird.

Fürs Homeoffice werden Nachteile gesehen, z.B. ein schlechterer Informationsaustausch oder sinkende Produktivität im Team.

Mehr zu Homeoffice, virtuellen Teams und neuer Arbeit: Hier in die Wirtschaftspsychologie aktuell hineinschnuppern.

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