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Lernen von Tanja Gabriele Baudson

Hochbegabte werden für schwierig gehalten

17. Juni 2016

Zwei Drittel halten Hochbegabte für intelligent, aber auch für schwierig im Umgang mit anderen. Das zeigt eine repräsentative Befragung. Ein Drittel hat hingegen keine negativen Vorurteile gegenüber Überfliegern.

Anderen überlegen?

Die Psychologin Tanja Gabriele Baudson forscht an der Uni Duisburg-Essen zu Hochbegabten, also zu Menschen, die weit überdurchschnittlich intelligent sind. Jetzt hat sie Vorurteile untersucht, die ihnen gegenüber verbreitet sind – nachzulesen in den Frontiers in Psychology.

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Sie legte 1.029 Erwachsenen, die die ganze Bevölkerung abbilden, einen Fragebogen vor. Darin beschrieben sie sich selbst und gaben an, welche Gefühle das Wort Hochbegabung bei ihnen auslöst. Außerdem schätzten sie fünf Eigenschaften von Hochbegabten ein: ob sie 1) besser denken können als andere, 2) mehr leisten, 3) allgemein überlegen sind, 4) Probleme mit Gefühlen haben und 5) im Umgang mit anderen. Herauskamen vor allem zwei Urteilstypen:

Unterstellte Launen

Zwei Drittel nahmen Hochbegabte als schwierig wahr. Der erste Urteilstyp hielt Hochbegabte für scharfsinnig, aber auch für schwierig. Diesem negativen Muster ließen sich rund zwei Drittel der Befragten zuordnen.

Für ein Drittel waren Hochbegabte leistungsfähig. Der zweite Urteilstyp beschrieb die Talente als intelligent und leistungsfähig. Negative Zuschreibungen fehlten. Diesem positiven Typ gehörte ein Drittel der Teilnehmer an.

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Männer und Arbeitslose urteilten negativer. Schließlich kam heraus, dass Männer, Alleinerziehende, Arbeitslose und Gutverdiener eher negativ über Hochbegabte urteilten und sie für launischer hielten. Der Einfluss dieser Merkmale der Befragten war aber nicht sehr groß.

Tanja Gabriele Baudson sagt: „Das Klischee, dass Hochbegabte sozial schwierig und emotional labil sind, hält sich nach wie vor hartnäckig. Dabei zeigen einschlägige Studien, dass Hochbegabte auch nicht verrückter sind als der Rest der Menschheit.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Tanja Gabriele Baudson (Institute of Psychology, Educational and Psychological Assessment, University of Duisburg-Essen). (2016). The Mad Genius Stereotype: Still Alive and Well. Frontiers in Psychology, 1 March 2016, Volume 7, Article 368.

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