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Lernen von Rodolphe Durand

Konformität bei mittlerem Status

10. Juni 2016

Organisationen mit mittlerem Status passen sich an und übernehmen viele Eigenschaften der Mittbewerber. Chefs mit mittlerem Status neigen zur Konformität, indem sie die beliebtesten Produkte übernehmen. Das zeigte sich bei einer Analyse US-amerikanischer Symphonieorchester.

Breite Anpassung, gezielte Herkömmlichkeit

Alle Hefte im ÜberblickWann verhalten sich Organisationen konform? Dieser Frage sind Rodolphe Durand und Pierre-Antoine Kremp von der Management-Universität HEC Paris nachgegangen. Ihr Studienobjekt: die Programmgestaltung der führenden 27 US-amerikanischen Symphonieorchester zwischen 1879 und 1969. Die Ergebnisse ihrer Konformitätsstudie stehen im Academy of Management Journal.

Sie erhoben zwei Konformitätsmaße: 1) die Anpassung hinsichtlich Gesamtrepertoire, d.h. ob ein Orchester im Vergleich zu allen anderen insgesamt mehr gewöhnliche Komponisten (z.B. Beethoven, Brahms) oder ungewöhnliche (z.B. Mussorgsky, Duparc) spielte, und 2) die Herkömmlichkeit hinsichtlich der Klassiker, d.h. ob ein Orchester im Vergleich zu allen anderen insgesamt mehr oder weniger der beliebtesten klassischen Komponisten (z.B. Beethoven, Mozart) im Programm hatte.

Dieser Konformität stellten sie den Status des Orchesters und den des musikalischen Leiters gegenüber. Ein hoher Status war gegeben, wenn Klangkörper oder Chefdirigent neue Komponisten einführten, die alle anderen danach übernahmen und auch spielten. Was kam heraus?

Größere Anpassung bei mittlerem Status

Orchester mit mittlerem Status passten sich an. Für Orchesterstatus und Gesamtprogramm zeigte sich eine umgekehrte U-Funktion. Symphoniker mit mittlerem Status passten sich am meisten an und hatten wenige ungewöhnliche Komponisten im Repertoire. Orchester mit hohem oder niedrigem Status spielten eher ungewöhnliche Komponisten wie Duparc oder Strawinsky.

Leiter mit mittlerem Status spielten häufiger Klassiker. Dieselbe umgekehrte U-Funktion zeigte sich für Leiterstatus und Klassiker-Herkömmlichkeit. Musikalische Leiter mit mittlerem Status wählten häufig Stücke der Lieblinge Mozart oder Beethoven aus. Dirigenten mit hohem oder niedrigem Status ließen diese Klassiker seltener spielen.

Zwei Arten der Konformität bestätigt

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Die Forscher schlussfolgern: „Wir denken, dass Organisationen sich auf zwei Arten konform verhalten: (1) indem sie viele Eigenschaften übernehmen, um ihren Wettbewerbern zu ähneln [Anpassung] und (2) indem sie sich an wenigen hervorspringenden Eigenschaften ausrichten, die für ihre Branche entscheidend sind [Herkömmlichkeit]. […] Wir haben die führenden US-Symphonie-Orchester und ihre Programmgestaltung über 90 Jahre hinweg untersucht und gefunden, dass Anpassung für Orchester mit mittlerem Status und Herkömmlichkeit für deren Leiter mit mittlerem Status wahrscheinlicher ist.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Rodolphe Durand & Pierre-Antoine Kremp (École des hautes études commerciales Paris, HEC Paris). (2016). Classical Deviation: Organizational and Individual Status as Antecedents of Conformity [Abstract]. Academy of Management Journal, 59 (1), 65-89.

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