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Lernen von Ruchi Sinha

Gut, wenn wenige im Team einen Konflikt sehen

3. Juni 2016

Wenn nur wenige im Team, aber nicht die meisten, einen Konflikt sehen, steigert das die Teamleistung. Die Konfliktneigung aller geht hingegen nicht mit besserer Leistung einher. Das fanden Organisationspsychologen heraus.

Streit über Konflikte

Alle Hefte im ÜberblickForscher streiten sich immer noch darüber, wann Konflikte im Team hilfreich sind und wann nicht. Eine Lösung dafür legte jetzt ein australisch-amerikanisches Team um den Organisationspsychologen Ruchi Sinha von der University of South Australia in Adelaide vor – veröffentlicht in der Onlineausgabe des Journal of Applied Psychology.

Unterschiedliche Konfliktsicht

Ihre Annahme: Es kommt auf den unterschiedlich gesehenen Aufgabenkonflikt („skewed task conflict“) an. Wenn nur wenige im Team einen Konflikt sehen, dass es abweichende Meinungen zur Aufgabenlösung gibt, die Mehrheit aber nicht, steigert das die Teamleistung. Wenn viele im Team meinen, es gäbe einen Konflikt, mindert es die Leistung. Dabei kommt es nicht darauf an, dass die Auseinandersetzung geäußert, sondern lediglich gesehen wird.

Schiefe der Verteilung berechnet

Die Annahme überprüften die Forscher bei 517 Studenten, die in 120 Teams über schwierige Business-Entscheidungen diskutieren sollten, und bei 320 Angestellten aus 41 Teams, die an einer Befragung teilnahmen. Jeder Einzelne gab dabei seine Einschätzung zum möglichen Konflikt ab, etwa: „Hatten die Leute in Ihrem Team Meinungen zur Teamaufgabe, die im Konflikt standen?“ Dann wurde die „Schiefe“ dieser Verteilung berechnet, also ob wenige im Team das besonders ausgeprägt meinten, die meisten anderen aber nicht. Diese Schiefe wurde dann ins Verhältnis zur Teamleistung gesetzt, die vom Vorgesetzten bewertet wurde.

Wenige Konfliktseher, bessere Leistung

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Ergebnis: Wenn nur wenige im Team einen Aufgabenkonflikt sahen, ging das in der Tat mit besserer Teamleistung einher. Die durchschnittliche Meinung zum Konflikt hing hingegen nicht mit der Leistung zusammen. Außerdem zeigte sich, dass offene, behutsame Kommunikation den Zusammenhang zwischen Konflikt-Schiefe und Leistung vermittelte: Wenn wenige ein Konfliktpotenzial wahrnahmen, waren sie gewillt, diplomatisch darüber zu sprechen. Das war dann der Wegbereiter für bessere Lösungen im Team.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Ruchi Sinha (University of South Australia), Niranjan S. Janardhanan (University of Texas at Austin), Lindred L. Greer (Stanford University) Donald E. Conlon (Michigan State University) & Jeffery R. Edwards (University of North Carolina at Chapel Hill). (2016). Skewed Task Conflicts in Teams: What Happens When a Few Members See More Conflict Than the Rest? [Abstract]. Journal of Applied Psychology, Online First Publication.

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